Schwerverbrecher Wolf "Die Angst schnürte mir den Hals zu"

Der Bankräuber und "Ausbrecherkönig" Thomas Wolf gilt als skrupelloser Verbrecher. Vor Gericht zeigte er sich nun von seiner empfindsamen Seite. Vor seinem ersten Raub habe er panische Angst gehabt und nie jemanden verletzen wollen, gestand der Angeklagte.

Thomas Wolf zwischen seinen Verteidigern Joachim Bremer (r.) und Emanuel Ballo
DPA

Thomas Wolf zwischen seinen Verteidigern Joachim Bremer (r.) und Emanuel Ballo


Wiesbaden - Thomas Wolf war einer der meistgesuchten Verbrecher Deutschlands: Er soll mehrere Banken überfallen und eine Frau als Geisel genommen haben. Viermal gelang ihm die Flucht vor der Justiz. Ein kaltblütiger Gangster, so meinen viele, steht derzeit vor dem Landgericht Wiesbaden.

Ende März begann er sein Geständnis, am Mittwoch fuhr er fort. Er verzichtete auf eine detaillierte Beschreibung seiner Verbrechen, stattdessen bemühte er sich, dem öffentlichen Bild seiner Person etwas entgegenzuhalten. Er erzählte von seinen Anfängen als Bankräuber, vor elf Jahren, als er nach eigenen Angaben alles andere als kaltblütig war: "Die Angst schnürte mir den Hals zu", beschrieb er vor Gericht sein Gefühl vor dem ersten Raub im Jahr 2000.

Wolf stellte sich in seinem Geständnis als fürsorglicher Partner dar. Er habe seine Frankfurter Freundin vor jeder Gefahr schützen wollen und sich nach einer bürgerlichen Existenz gesehnt. Er habe "noch nie eine scharfe Waffe besessen" und bei seinen Verbrechen niemanden verletzen wollen. Deshalb habe er nur Bombenattrappen oder Schreckschusspistolen eingesetzt. "Meine Drohmittel basierten immer auf einem Bluff."

Er sei zwar aus einem Hafturlaub in Nordrhein-Westfalen nicht rechtzeitig ins Gefängnis zurückgekehrt. Dies habe aber zu tun mit einem "Kneipenbesuch zur falschen Zeit", der über sein Schicksal entschieden hätte, sagte Wolf.

"Da gibt es nichts zu verharmlosen"

Seit seinem 15. Lebensjahr ist er immer wieder straffällig geworden, saß von 1981 bis 2000 in mehreren Gefängnissen - und gilt als Ausbrecherkönig. 1982 gelang ihm aus einer Gefängnisklinik die Flucht, 1988 entkam er aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) Gütersloh, 1989 türmte er aus der JVA Geldern.

Silvester 1999 bekam er Hafturlaub - und kehrte am Neujahrstag nicht ins Gefängnis von Moers-Kapellen in Nordrhein-Westfalen zurück, wo er unter anderem wegen Bankraubs eine Gesamtstrafe von 21 Jahren hätte verbüßen sollen. Kurz darauf überfiel er eine Commerzbank in Hamburg-Altona und erbeutete 250.000 Euro.

Seither fahndete die Polizei mit internationalem Haftbefehl nach Wolf, laut Bundeskriminalamt (BKA) galt er als "besonders gewaltbereit". Jahrelang lebte er unter falschem Namen in Frankfurt, führte mit einer ahnungslosen Lebensgefährtin ein unaufregendes Leben.

Im März 2009 entführte Wolf die heute 44-Jährige Frau eines Bankangestellten aus ihrem Zuhause in Wiesbaden, fesselte sie an einen Baum und erpresste von ihrem Ehemann 1,8 Millionen Euro Lösegeld.

Zwei Monate lang gelang Wolf daraufhin die Flucht, bis er am 28. Mai 2009 auf der Reeperbahn in Hamburg festgenommen wurde. Zu Beginn seines Geständnisses hatte sich Wolf bei seiner Ex-Geisel entschuldigt: "Mit meiner Tat habe ich eine gesamte Familie zehn Stunden lang in Angst und Schrecken versetzt", sagte der Angeklagte. "Da gibt es nichts zu verharmlosen."

Wolf ist wegen einer Borreliose-Erkrankung nur wenige Stunden täglich verhandlungsfähig. Die Staatsanwaltschaft will prüfen, ob sie für Wolf Sicherungsverwahrung beantragt.

bim/dpa

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dr.épernay-boiler 06.04.2011
1. Hach mensch, der arme Mann!
Hoffentlich hat er sich nicht weh getan und irgendwo gestoßen?
schmarrnsepp 06.04.2011
2. ^.^
Zitat von sysopDer Bankräuber und "Ausbrecherkönig" Thomas Wolf gilt als skrupelloser Verbrecher.*Vor Gericht zeigte er sich nun von seiner empfindsamen Seite. Vor seinem ersten Raub habe er panische Angst gehabt und nie jemanden verletzen wollen, gestand der Angeklagte. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,755486,00.html
Ja nun. Vor meinem ersten Bungeesprung vor bald 200 Jahren (The Nevis) hatte ich ebenfalls panische Angst & wollte niemanden verletzen -- besonders mich selbst nicht. =.-) Allerdings ist die Angst in genau dem Augenblick verflogen, in dem die Füße die kleine Plattform vorne an der Gondel verlassen. Exakt 12,92 Millisekunden danach setzt der wirklich alles andere im Leben zukleisternde Rausch ein, und nur mein seinerzeit begrenztes Reisebudget hat verhindert, daß ich meine gesamte Kohle an diesem einen Tag quasi zur Gondel 'rausgeschmissen habe. Die Leidenschaft für diesen atemberaubenden Irrsinn allerdings blieb & wurde im Laufe der Zeit durch häufige Fallschirmspringerei ergänzt... Bin ich nun ein empfindsamer Hüpfer?
Bärchen09 06.04.2011
3. Empfindsamer Schwerverbrecher?
Zitat von sysopDer Bankräuber und "Ausbrecherkönig" Thomas Wolf gilt als skrupelloser Verbrecher.*Vor Gericht zeigte er sich nun von seiner empfindsamen Seite. Vor seinem ersten Raub habe er panische Angst gehabt und nie jemanden verletzen wollen, gestand der Angeklagte. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,755486,00.html
Empfindsame Seite? Leute, der wickelt Euch hübsch ein. Wenn ich einen Raubüberfall planen würde, na, da bekäme ich vor Angst vielleicht einen Herzinfarkt. Wäre ich dann eine Heldin? Und niemanden verletzten? Ach, wie rührend, mir kommen die Tränen. Es ist keine empfindsame Seite, sondern der Versuch (hoffentlich vergeblich), das Gericht milde zu stimmen. Wer empfindsam ist, plant niemals einen Raubüberfall oder sonst eine Straftat.
schmarrnsepp 06.04.2011
4. ^.^ -- Selbstgemecker
Zitat von schmarrnseppJa nun. Vor meinem ersten Bungeesprung vor bald 200 Jahren (The Nevis) hatte ich ebenfalls panische Angst & wollte niemanden verletzen -- besonders mich selbst nicht. =.-) Allerdings ist die Angst in genau dem Augenblick verflogen, in dem die Füße die kleine Plattform vorne an der Gondel verlassen. Exakt 12,92 Millisekunden danach setzt der wirklich alles andere im Leben zukleisternde Rausch ein, und nur mein seinerzeit begrenztes Reisebudget hat verhindert, daß ich meine gesamte Kohle an diesem einen Tag quasi zur Gondel 'rausgeschmissen habe. Die Leidenschaft für diesen atemberaubenden Irrsinn allerdings blieb & wurde im Laufe der Zeit durch häufige Fallschirmspringerei ergänzt... Bin ich nun ein empfindsamer Hüpfer?
Mea culpa für 's blöde & sinnfreie Herumspringen in der Zeit -- das kommt offenbar davon, wenn man nur mit dem einem Ohr schreibt & dem anderen Auge mit der Besten von allen babbelt. =,-)
Kalle Bond 07.04.2011
5. Ausbrecherkönig Wolf's Märchenstunde
.. da kommen dem Richter sicher die Tränen
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