Schwindende Hoffnung Portugiesische Polizei spricht erstmals über möglichen Tod Maddies

100 Tage nach dem Verschwinden der vierjährigen Madeleine McCann hat die portugiesische Polizei erstmals öffentlich erklärt, dass das Kind tot sein könnte. Die Hinweise darauf, dass Maddie tot ist, seien etwas stärker, als die Zeichen dafür, dass sie noch lebe, sagte ein Polizeisprecher.


Praia da Luz- In den vergangenen Tagen habe es "einige Entwicklungen, einige Anhaltspunkte" gegeben, die auf einen möglichen Tod Madeleines hindeuteten, zitiert die BBC den portugiesischen Polizeisprecher Olegario Sousa.

Bild von Madeleine an der Kirchentür in Praia de Luz: "Bleibt an unserer Seite"
Getty Images

Bild von Madeleine an der Kirchentür in Praia de Luz: "Bleibt an unserer Seite"

Die Zeitung "Jornal de Noticias" hatte am Montag berichtet, Spürhunde hätten Blutspuren an einer Wand von Madeleines Zimmer in der Ferienanlage gefunden, in der die Familie Urlaub machte.

Nunmehr werde untersucht, ob es sich um das Blut des Mädchens handele. Daraufhin gab es Spekulation, ob Madeleine möglicherweise nicht wie zunächst vermutet entführt, sondern in dem Zimmer verletzt oder getötet wurde. Madeleines Eltern, das Ärzteehepaar aus England, Kate and Gerry McCann, mussten in den vergangenen Tagen immer wieder Gerüchte zurückweisen, wonach sie in das Verschwinden ihrer Tochter verwickelt seien.

Polizeisprecher Sousa erklärte heute, dass die Eltern des verschwundenen Kindes, sowie deren Freunde, die mit dem Paar im Portugalurlaub waren, nicht als Verdächtige behandelt würden. Ob Zeugen erneut vernommen würden, sei abhängig von den Ergebnissen der gerichtsmedizinischen Untersuchungen. Die Ergebnisse der Auswertung von den im Hotelzimmer gefundenen Blutspuren werden nach Angaben aus Ermittlerkreisen in den kommenden Tagen erwartet.

Maddies Eltern fordern Beweise

Wegen der jüngsten Äußerungen machen die McCanns der Polizei inzwischen schwere Vorwürfe. Immer wieder habe die Polizei erklärt, sie suche nach einem lebenden Kind, erklärte Gerry McCann. Doch nun gingen die Beamten scheinbar davon aus, dass Maddie tot sei. "Da hat es eine Wende gegeben. Ich will die Beweise sehen, die das verursacht haben. Wir müssen darüber Bescheid wissen", zitiert das britische Boulevardblatt "Mirror" McCann.

Vor hundert Tagen war die vierjährige Madeleine aus einem Appartement in der Ferienanlage in Praia de Luz verschwunden. Das Ärzteehepaar aus Mittelengland ging nach eigenen Angaben an einem lauen Abend zum Essen in ein Restaurant, das nur einen Steinwurf von dem Appartement entfernt lag, in dem Madeleine mit ihren beiden kleinen Geschwistern schlief. Um 22.00 Uhr habe sie nach ihren Kindern geschaut, sagt Kate McCann - da war Madeleines Bett leer. In ihrer Verzweiflung alarmierten die Eltern über die Medien die ganze Welt.

Heute nahmen Madeleines Eltern an einem Gottesdienst in Praia da Luz teil, bei dem die Gläubigen für eine sichere Rückkehr der Vierjährigen beteten. Zahlreiche Touristen spendeten aufmunternden Beifall, als das Ehepaar McCann die Kirche in dem portugiesischen Badeort verließ. Kate McCann bat die Gemeinde darum, weiterhin an der Seite bei ihrer Familie zu stehen, wenn sie ihre "Reise der Hoffnung" fortsetze, und für Madeleine zu beten.

Mittlerweile haben die portugiesischen Beamten wegen des Verschwindens der Vierjährigen 450 Menschen befragt und sind Dutzenden von Hinweisen nachgegangen - ohne Erfolg.

Der einzige Verdächtige, gegen den formell ermittelt wird, ist bislang der 33-jährige Brite Robert Murat, der in der Nähe des Hotelkomplexes wohnt, aus dem Maddie verschwand. Britische und portugiesische Polizisten durchkämmten am vergangenen Wochenende seine Villa auf der Suche nach Spuren. Ob sie Hinweise fanden, ist bislang nicht bekannt. Francisco Pagarete, der Anwalt Murats, hat heute das vermeintlich "merkwürdige Verhalten" der Eltern in der Nacht des Verschwindens kritisiert.

anr/AP/AFP/dpa



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