Scotland-Yard-Bericht Mark Duggan hat nicht auf Polizisten geschossen

Mark Duggan starb durch eine Polizeikugel, sein Tod löste die Gewalt in London aus. Nun ergab eine Untersuchung, dass der 29-Jährige selbst nicht geschossen hat - was die Polizei zunächst behauptet hatte.
Ausgebranntes Polizeiauto in Tottenham: Beginn der Krawalle am vergangenen Samstag

Ausgebranntes Polizeiauto in Tottenham: Beginn der Krawalle am vergangenen Samstag

Foto: LEON NEAL/ AFP

London - Am vergangenen Donnerstag sah alles noch ganz anders aus: Die Polizei behauptete, Mark Duggan habe das Feuer auf die Beamten eröffnet, als diese ihn festnehmen wollten. Daraufhin habe einer der Polizisten dem 29-Jährigen in die Brust geschossen - aus Notwehr.

Nun hat Scotland Yard diese Version revidiert. Duggan habe nicht auf die Polizisten geschossen, so das Ergebnis einer Untersuchung der Independent Police Complaints Commission (IPCC). Am Tatort wurden keine Geschosse gefunden, die aus der Waffe des Mannes stammten.

Duggans Familie hatte am Samstag zu einer Demonstration gegen die Polizei aufgerufen. Die Ansammlung vor der Wache im Londoner Bezirk Tottenham hatten Randalierer als Anlass für gewalttätige Krawalle genommen. Von Tottenham breitete sich die Gewalt auch auf andere Stadtteile aus.

Die Polizei ermittelte wegen organisierter Bandenkriminalität gegen Duggan. Er soll Kontalte in die Drogenszene gehabt haben. AmTatort wurde eine Handfeuerwaffe gefunden, die nicht zu den Beständen der Polizei gehört. Sie sei funktionsfähig gewesen, teilte eine unabhängige Untersuchungskommission am Dienstag laut "Daily Telegraph" mit. Nach Angaben der IPCC wurde aus ihr aber kein Schuss abgefeuert.

Laut der ersten Darstellung der Polizei feuerte Duggan zuerst auf die Polizei, ein Beamter überlebte angeblich nur durch Glück, weil die Kugel von seinem Funkgerät aufgehalten wurde. Der "Guardian" berichtete jedoch, dass die Kugel im Funkgerät aus einer Polizeiwaffe stammen soll.

Etwas mehr als zehn Kilometer von der Londoner Innenstadt entfernt, zählt Tottenham zu den ärmsten Gegenden Großbritanniens. Fast die Hälfte aller Kinder lebt hier Untersuchungen zufolge in Armut. Der Anteil der Ausländer zählt zu den höchsten im ganzen Land.

Die bislang schlimmsten Ausschreitungen brachen im Jahr 1985 aus, nachdem eine Frau während einer Razzia der Polizei in ihrem Haus an einem Schlaganfall starb. Ein Polizist, der eine Gruppe Feuerwehrmänner schützen wollte, wurde damals von einem wütenden Mob zu Tode geprügelt. Etwa 60 weitere Beamte mussten mit zum Teil schweren Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden.

han/dpa/AP
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