Seilbahnunglück am Lago Maggiore Festgenommenen drohen »allerhöchste« Strafen

14 Menschen starben bei einem Seilbahnunglück in Italien. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Chef der Seilbahngesellschaft und zwei weiteren leitenden Mitarbeitern nun »gedankenloses Verhalten« vor.
Seilbahn von Stresa nach Mottarone nach dem Unglück

Seilbahn von Stresa nach Mottarone nach dem Unglück

Foto: MIGUEL MEDINA / AFP

Den drei nach dem Seilbahnunglück in Norditalien festgenommenen Männern drohen nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft von Verbania im Falle einer nachgewiesenen Schuld »allerhöchste« Strafen. Es bestehe auch Fluchtgefahr, heißt es in dem Haftbefehl gegen die drei, aus dem italienische Medien zitierten.

Ein »gedankenloses Verhalten« habe zum Tod von 14 Menschen und zu schwersten Verletzungen eines Fünfjährigen geführt, hieß es weiter. Der Chef der Seilbahngesellschaft und zwei weitere leitende Mitarbeiter waren in der Nacht zum Mittwoch festgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung.

Die Seilbahn war am Pfingstsonntag auf dem Weg von Stresa am Lago Maggiore hinauf zum Monte Mottarone verunglückt. Nach bisherigem Ermittlungsstand riss kurz vor der Ankunft an der gut 1300 Meter über dem Meer gelegenen Bergstation aus bisher unbekannter Ursache das Zugseil. In dem Fall hätte eine Notbremse greifen müssen, was nicht geschah. Die Gondel raste mit hoher Geschwindigkeit in die Tiefe, überschlug sich und zerschellte schließlich.

Nun besteht der Verdacht, dass die Notbremse mit einer als »Forchetta« (Gabel) bekannten Vorrichtung außer Funktion gesetzt worden war, weil es zuvor Unregelmäßigkeiten im Lauf der Bahn gegeben hatte. Ein Motiv für die Manipulation könnte laut Medien gewesen sein, dass die Betreiber nach der langen Corona-Zwangspause die Seilbahn um jeden Preis am Laufen halten wollten.

Infrastrukturminister spricht im Parlament

Der Carabinieri-Kommandant Luca Geminale sagte laut Nachrichtenagentur Ansa, dass der Datenschreiber der Seilbahn, die sogenannte Blackbox, sichergestellt worden sei. Es handele sich um eine Vorrichtung, die alle technischen Aspekte wie Geschwindigkeit, Lauf und Schwanken der Gondel aufzeichne.

Im italienischen Abgeordnetenhaus äußerte sich am Donnerstag Infrastrukturminister Enrico Giovannini zu dem Unglück. Er betonte unter anderem, dass bei italienischen Seilbahnen im Falle eines Druckverlustes oder eines Risses des Zugkabels automatisch eine Notbremse greife. Der Direktor einer solchen Anlage sei für deren Sicherheit verantwortlich, sagte er.

wit/dpa
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