Sekten-Ranch Mädchen wurden systematisch missbraucht

Nach der Erstürmung einer Sekten-Ranch im US-Bundesstaat Texas kommen mehr und mehr schauerliche Details ans Licht: Mit Eintritt in die Pubertät drohte den Mädchen dort die Zwangsehe - und Sex mit älteren Männern. Hunderte Minderjährige sollen missbraucht worden sein.


Fort Worth - Offenbar sind auf der Ranch 13-jährige Mädchen reihenweise zwangsverheiratet und zu sexuellen Handlungen gezwungen worden, um Kinder zu haben. Das geht aus nun veröffentlichten Gerichtsunterlagen hervor.

Nach Aussagen einer Ermittlerin seien die jungen Mädchen systematisch "indoktriniert" worden, damit sie die Heirat mit den männlichen Sektenmitgliedern widerstandslos akzeptierten. Aber auch Jungen seien mit Beginn der Pubertät zwangsverheiratet worden. Damit könnte sich die Zahl der entdeckten Missbrauchsfälle drastisch erhöhen - die texanischen Ermittler waren bisher nur von 18 Fällen ausgegangen.

Bereits 416 Kinder und 139 Frauen konnten Spezialeinsatzkräfte bisher von der 688 Hektar großen Ranch der "Fundamentalistische Kirche der Heiligen der Letzten Tage" befreien. Sie sind vorübergehend in einer alten Armeefestung untergekommen.

Die Behörden wollen nach einer Anhörung am 17. April entscheiden, ob die befreiten Kinder eventuell dauerhaft von ihren Angehörigen getrennt werden. Denn bei ersten Befragungen hätten diese nicht die Namen ihrer biologischen Eltern nennen wollen - oder nennen können: Einige hätten gleich mehrere Mütter angegeben.

Ein 16-jähriges Sektenmitglied hatte vergangenen Donnerstag den Notruf ausgelöst, der die Polizei dazu veranlasste, die Ranch zu stürmen. Die anonyme Anruferin konnte von der Polizei bisher nicht ausfindig gemacht werden.

bel/AFP



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