Strafverfahren in Belgrad Mutmaßlicher Mafiaboss will gegen serbische Regierung aussagen

Der mutmaßliche Mehrfachmörder Veljko Belivuk hat in einer gerichtlichen Anhörung erklärt, er habe »Schmutzarbeit« für den serbischen Staat erledigt. Jetzt will er einen Deal – und alles auf den Tisch legen.
Veljko Belivuk: »Schmutzarbeit« für den serbischen Präsidenten erledigt?

Veljko Belivuk: »Schmutzarbeit« für den serbischen Präsidenten erledigt?

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PEDJA MILOSAVLJEVIC / AFP

Vor einem Gericht in der serbischen Hauptstadt Belgrad hat das Strafverfahren gegen den mutmaßlichen Mafiaboss Veljko Belivuk und 31 Mitangeklagte begonnen. In der Voranhörung, die sich bis in den Dienstagabend hineinzog, soll Belivuk angeboten haben, als Zeuge gegen höhere Regierungsstellen aussagen zu wollen, berichtete die Tageszeitung »Danas« am Mittwoch.

Demnach will der wegen fünffachen Mordes, Entführungen, Drogenhandels und illegalen Waffenbesitzes Angeklagte immer wieder die »Schmutzarbeit« für den von Präsident Aleksandar Vučić kontrollierten Staat erledigt haben.

»Velja, der Ärger«

Belivuk, Spitzname »Velja Nevolja«, »Velja, der Ärger«, gilt als Anführer der sogenannten Janjicari, einer Gruppierung, die Verbindung zu Serbiens Regierungspartei unterhält. Er und seine Komplizen waren im Februar 2020 bei einem spektakulären Polizeieinsatz verhaftet worden. Zu Hausdurchsuchungen war es auch in den Stadien der Belgrader Fußballvereine Partizan und Roter Stern gekommen. Die Bande hatte dort Waffen gelagert. Sie hatte sich zum Teil aus der Szene der radikalen Fußballfans rekrutiert.

Belivuk soll angegeben haben, seine Leute hätten überfallartig nächtliche Abrissarbeiten im Belgrader Altstadtviertel Savamala durchgeführt. Die abgerissenen Bauten hatten im Jahr 2016 einem von der Vučić-Regierung unterstützten Immobilienprojekt am Saveufer Platz gemacht. Die Beteiligten waren maskiert und hatten Protestierende eingeschüchtert und gefesselt. Die von Aktivisten alarmierte Polizei griff damals offenbar nicht ein.

»Sie haben das Recht, sich mit Lügen zu verteidigen«

Belivuk will seinen Aussagen zufolge auch als Zeuge im Fall des ermordeten kosovo-serbischen Oppositionspolitikers Oliver Ivanović aussagen. Welche Rolle er dabei gespielt haben soll, erwähnte er nicht. Ivanović war im Januar 2018 im serbischen Teil der kosovarischen Stadt Mitrovica auf offener Straße von Unbekannten erschossen worden. Der Mord ist bis heute unaufgeklärt.

Belivuk knüpfte seine Zeugenbereitschaft allerdings an die Bedingungen, dass alle Mitglieder seiner Bande außer ihm und seinem Stellvertreter aus der Untersuchungshaft entlassen würden. Dass sich die Justizbehörden darauf einlassen, gilt als unwahrscheinlich.

Der serbische Präsident Aleksandar Vučić spielte Belivuks Ankündigung herunter und erklärte, dass die Angeklagten versuchten, sich herauszureden. »Sie haben das Recht, sich mit Lügen zu verteidigen.«

ala/bbr/dpa

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