USA Mordfall aus "Serial"-Podcast soll neu verhandelt werden

Wurde ein Teenager zu Unrecht als Mörder verurteilt? Erst hatte der Podcast "Serial" den Fall aufgerollt, jetzt soll er auch vor Gericht neu verhandelt werden. Das entschied ein Richter 16 Jahre nach der Tat.

Adnan Syed 1998
Courtesy Serial

Adnan Syed 1998


Der Fall eines verurteilten Mörders, der über den amerikanischen Podcast "Serial" einem Millionenpublikum bekannt wurde, soll 16 Jahre nach der Tat neu verhandelt werden. Das gab ein Gericht in Baltimore bekannt.

Der wegen Mordes an seiner Ex-Freundin verurteilte Adnan Syed habe einen neuen Prozess verdient, sagte Richter Martin Welch. Seine damalige Anwältin habe es im Prozess versäumt, einen Mobilfunkzellen-Experten über die Zuverlässigkeit der Daten ins Kreuzverhör zu nehmen.

Dem Experten zufolge zeigten die Daten, dass sich Syeds Handy in der Nähe des Ortes in das Netz eingeloggt habe, an dem die Leiche der jungen Frau vergraben wurde.

Sydes Anwalt verbreitete die Nachricht über den neuen Prozess über den Kurznachrichtendienst Twitter. Auf einer Pressekonferenz sagte er, er werde weiter für die Freilassung des heute 35-Jährigen kämpfen.

Die im Oktober 2014 vom nichtkommerziellen Radiosender WBEZ Chicago gestartete Podcast-Serie "Serial" hatte den Fall der ermordeten Schülerin Hae Min Lee und ihres damals 17-jährigen Mitschülers und Ex-Freundes Adnan Syed neu aufgerollt und die Frage gestellt: War Syed tatsächlich der Täter? Pro Folge wurde ein jeweils neuer Aspekt des realen Mordes, geschehen am 13. Januar 1999 in einem Vorort der US-Ostküstenstadt Baltimore, beleuchtet.

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Podcast-Phänomen "Serial": Detektivarbeit als Radiohit

Syed war zu lebenslanger Haft verurteilt worden, obwohl es keine physischen Beweise für die Tat gab. Nur einen einzigen Belastungszeugen, Adnans Kumpel Jay. Der sagte aus, Adnan Syed habe Hae Min Lee am helllichten Tag aus Eifersucht im Auto erwürgt und dann ihn, Jay, zu Hilfe geholt, um die Leiche zu vergraben.

Seit der Podcast "Serial" den Fall neu aufrollte, rätselten Millionen Zuhörer über die Frage, ob Syed den Mord tatsächlich begangen hatte: Mehr als fünf Millionen Menschen hatten sich den Podcast binnen der ersten zwei Monate allein über iTunes heruntergeladen. Noch immer kann er zudem auf der Website serialpodcast.org umsonst gestreamt werden.

sun/AP

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insgesamt 4 Beiträge
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Holbirn 01.07.2016
1. Ein Augenzeuge ist natürlich verdammt schwach
Wollen wir hoffen, dass man noch bei Facebook bessere Indizien findet als einen erbärmlichen Augenzeugenbericht.
thefreshflash 01.07.2016
2.
"Seine damalige Anwältin habe es im Prozess versäumt, einen Mobilfunkzellen-Experten über die Zuverlässigkeit der Daten ins Kreuzverhör zu nehmen. Dem Experten zufolge zeigten die Daten, dass sich Syeds Handy in der Nähe des Ortes in das Netz eingeloggt habe, an dem die Leiche der jungen Frau vergraben wurde. " Sie hat wohl die Erfolgschancen gesehen... Der Fall scheint doch völlig klar zu sein, immerhin gibt es auch einen Augenzeugen. Schlimm, für die Angehörigen des Opfers, denen keine Ruhe gegeben hat, weil sich die Justiz denkt, sie müsse ein wenig PR über die sozialen Medien machen.
7eggert 01.07.2016
3.
Zitat von HolbirnWollen wir hoffen, dass man noch bei Facebook bessere Indizien findet als einen erbärmlichen Augenzeugenbericht.
Zweiter Versuch: Vielleicht war der "Augenzeuge" ja auch alleine mit dem Opfer und wurde abgewiesen. Als dann herauskam, daß eine Verbindung zu ihm bekannt war sah er einen Ausweg darin, den Ex zu beschuldigen.
evergrim 01.07.2016
4.
Der Augenzeuge ist nicht so zuverlässig, wie man glaubt. Seine Geschichte ändert sich zwischen erster zu Protokoll gegebenen Vernehmung, erstem Verfahren und zweitem Verfahren deutlich. Dabei orientiert sich die Aussage immer an den Indizien die die Anklage zu diesem Zeitpunkt einbringen will. Zudem gibt es Indizien, das er das Belohnungsgeld für hinweise zu der tat kassieren wollte. Dabei ist es möglich, das er sich so mit seiner Story verstrickt hat, das er auf einen Deal mit der Staatsanwaltschaft angewiesen war. Diesen hat er auch bekommen. Er ist für die Beihilfe, die er nach seiner Aussage begangen hat nicht ins Gefängnis gekommen. Die Mobilfunkprotokolle waren auch nicht so sicher wie sie von der Staatsanwaltschaft dargestellt wurden. Der Experte der Staatsanwaltschaft von damals war deswegen auch als Zeuge für Adnan Syeds Seite in der Anhörung zur Wiederaufnahme des Verfahrens.
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