Hamburg - Die kleine Katja verschwand an einem sonnigen Ferientag vor knapp zwei Wochen in der Nähe ihres Heimatortes Pologi. Das neun Jahre alte Mädchen war mit zwei Freundinnen hinunter zum Fluss gegangen, die Schülerinnen wollten schwimmen gehen. Für einen Moment verloren sich die die Kinder aus den Augen. Katja wurde danach wohl nur noch von einem Menschen lebend gesehen: von ihrem mutmaßlichen Mörder, Sergej N.
Ukraine: Auf der Spur eines Serienmörders
23 Jahre lang hatten die Ermittler nach diesem Mann gesucht. Vor Katja hatte N. den ersten Ermittlungen zufolge bereits Dutzende Mädchen und Frauen auf dem Gewissen. Eines der Opfer überlebte den Angriff. Sergej N. hatte die 18-jährige Olga am helllichten Tag von hinten gepackt, bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und anschließend vergewaltigt. Die junge Frau erinnert sich an das Gesicht des Täters, ein Phantombild wird erstellt.
Am 5. August, ein Tag nach dem Mord an Katja, wird N. gefasst. Er gesteht und führt die Polizisten am Tag darauf zu einem der Tatorte. Die Polizeikamera nimmt auf, wie der 52-Jährige äußerlich ungerührt an einer Puppe demonstriert, was er Dutzenden Mädchen und Frauen angetan hat.
Das Vorleben von Sergej N. ist noch weitgehend unbekannt. Die Polizei geht davon aus, dass der Mann aus Sibirien stammt und jahrelang bei der Polizei gearbeitet hat. Während seiner Armeezeit war N. Fallschirmjäger - dort soll er das lautlose Töten gelernt haben. "Er lebt seit mehr als 20 Jahren in der Ukraine", sagt einer der Ermittler SPIEGEL TV. "Ich gehe davon aus, dass er jedes Jahr eins seiner Verbrechen begangen hat. Man kann es hochrechnen. In einigen Jahren waren es sogar mehrere, deshalb schätzen wir - vorläufig -, dass es 30 oder sogar mehr waren."
Ein Team von SPIEGEL TV hat sich im Umfeld des Mannes umgesehen. Das Haus des Serientäters liegt am Stadtrand. Überall liegen zertrümmerte Möbelstücke, defekte Elektrogeräte und vergammelte Speisereste herum. Seit Mai lebte N. hier. Seine dritte Frau hatte ihn zuvor verlassen. Nachbarn beschreiben ihn als "ruhig".
Die Fahnder befürchten, dass Sergej N. noch weitaus mehr Morde begangen haben könnte als bislang angenommen. Eine lebenslängliche Gefängnisstrafe ist ihm schon jetzt so gut wie sicher. Warum hat N. die Taten sofort gestanden? Der Polizei sagte er: "Ich möchte dem ein Ende setzen. Ich hasse mich. Ich bin schlimmer als eine Bestie."
Friederike Freiburg
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Tatortbegehung: Nach seinem Geständnis demonstriert Sergej N. den Ermittlern, wie er eines seiner Opfer angegriffen und von hinten gewürgt hat
Sergej N.: "Ich hasse mich"
Kinderfoto: Das Bild zeigt die kleine Katja aus Pologi
Fundort: Ein Ermittler deutet auf ein Gebüsch, in dem die entblößte Leiche der kleinen Katja gefunden wurde
Überlebendes Opfer: Olga, 18, hat mit ihren Hinweisen dazu beigetragen, dass Sergej N. nun in Haft ist
Phantombild: Die Zeichnung wurde nach den Angaben des überlebenden Opfers Olga angefertigt
Mordopfer Valentina: Das Mädchen wurde 14 Jahre alt
Ermordet: Elena, 16, kam ebenfalls aus der Gegend um Pologi
Marina, 20: Opfer waren Mädchen und Frauen - die Polizei geht von mindestens 30 Ermordeten aus