Europarat Deutschland soll Sexualstraftäter nicht mehr kastrieren

Das Anti-Folter-Komitee des Europarats fordert, dass Sexualstraftäter in Deutschland nicht mehr kastriert werden. Diese dürfen den Eingriff derzeit beantragen. Das Gremium spricht von "menschenunwürdiger körperlicher Verstümmelung".


Brüssel - Sexualstraftäter sollen in Deutschland auch auf eigenen Wunsch nicht mehr kastriert werden. Das Anti-Folter-Komitee des Europarats fordert von Bund und Ländern, diese Praxis definitiv zu beenden. Dazu müssten die entsprechenden Gesetzesvorschriften geändert werden.

Experten des Komitees hatten im vergangenen Winter Gefängnisse in Frankfurt und in Diez (Rheinland-Pfalz) besucht, sowie die sozialtherapeutische Anstalt von Baden-Württemberg. Außerdem sprachen sie mit Vertretern des Bundesjustizministeriums. Diese teilten der Delegation laut Bericht mit, es werde derzeit diskutiert, den deutschen Ethikrat in die Diskussion über die Kastrationspraxis einzubeziehen.

29 Straftäter stellten seit dem Jahr 2000 einen Antrag auf chirurgische Kastration. Davon seien elf Anträge bewilligt worden. Gegenüber dem Zeitraum von 1970 bis 1980, als 430 Kastrationen vorgenommen wurden, seien diese Eingriffe heute "praktisch zu vernachlässigen". Der Europarat hatte chirurgische Kastrationen wiederholt als nicht rückgängig zu machende und menschenunwürdige körperliche Verstümmelung kritisiert.

Die umstrittene Praxis, widerspenstige Häftlinge festzuschnallen, sei deutlich zurückgegangen. In seinem letzten Bericht zur Lage in Deutschland vom Februar 2012 hatte das Anti-Folter-Komitee auch das Fixieren von Häftlingen beanstandet. Insgesamt stellten die Mitglieder der Delegation Deutschland ein positives Zeugnis aus. Sie hätten bei ihren Inspektionen keine Beschwerden über Misshandlungen gehört.

Dem Gremium gehören Juristen, Ärzte, Psychiater und Strafvollzugsexperten aus den 47 Europaratsländern an. Sie inspizieren in regelmäßigen Abständen Orte, an denen Menschen gegen ihren Willen festgehalten werden - Polizeiwachen, Gefängnisse oder geschlossene psychiatrische Anstalten.

isa/AFP

insgesamt 11 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
egyptwoman 24.07.2014
1.
sorry EU, aber die Männer haben freiwillig einer kastration zugestimmt, geht euch gar nichts an, es wurde keiner gezwungen. Kümmert euch um wirklich wichtige Sachen und mischt euch nicht ständig ein. Das Fixieren von Häftlingen hat einen Grund und wird nicht einfach mal so nebenbei gemacht. Das dient wenn nichts anderes mehr hilft zum Schutz der Häftlinge und auch zum Schutz des Personals. Wie bitte sollte sonst jemand davon abgehalten werden der trotz spezieller Räume in denen sie zu ihrem Schutz gebracht werden und wo sie keine Gegenstände haben um sich zu verletzen, aber sich teilweise schwere Verletzungen zufügen indem sie mit dem Kopf oder anderen Körperteilen immer wieder gegen die Wände dieser Räume springen? Häftlinge oder auch Insassen psychiatrischer Einrichtungen die fixiert werden werden rundumdieUhr bewacht, da sitzt immer Personal daneben um rechtzeitig reagieren zu können falls sich diese Menschen übergeben müssen, damit sie nicht ersticken. Also haltet endlich mal die Füße still und kümmert euch um die wirklich wichtigen Dinge dieser Welt.
mka1983 24.07.2014
2. Wieso denn sowas.
Mitleid habe ich doch er mit den Opfern, insbesondere Kindern und Frauen, die ihr gesamtes Leben darunter leiden dürfen. Der Unsinn, Vergewaltiger zu schützen ist ein schlechter Scherz des Staates. Diese Leute begehen ihre Straftaten nachgewiesener Maßen bei vollem Bewusstsein und sollten von der Gesellschaft getrennt werden. Der Staat ist dafür verantwortlich, daß keine weiteren Opfer durch bekannte Straftäter entstehen.
karend 24.07.2014
3. Nachgefragt
Zitat von sysopDas Anti-Folter-Komitee des Europarats will, dass Sexualstraftäter in Deutschland nicht mehr kastriert werden. Diese dürfen den Eingriff derzeit beantragen. Das Gremium spricht von "menschenunwürdiger körperlicher Verstümmelung". http://www.spiegel.de/panorama/justiz/sexualstraftaeter-sollen-nicht-mehr-kastriert-werden-a-982813.html
Vermutlich hat sich dieses Gremium nicht mit den Opfern der Sexualstraftäter auseinandergesetzt. Wenn also diese "Praxis" selbst auf eigenen Wunsch hin entfällt, was kommt dann? Was macht das Gremium, wenn - nach Entlassung - weitere Sexualstraftaten hinzukommen?
sf49ersftw 25.07.2014
4.
Die Herrschaften sollten sich vielleicht einmal mit den Opfern unterhalten um zumindest eine leichte Ahnung davon zu bekommen, was für psychische Schäden durch solche Maßnahmen in Zukunft verhindert werden könnten. Ist in meinen Augen ohnehin ein schlechter Witz, dass dies nur freiwillig möglich ist, was jedoch ein ganz anderes Thema ist
XRay23 25.07.2014
5.
Nun, gegen Sicherheitsverwahrung nach der Haftstrafe sprechen sie sich ja auch aus. Die Zeit hat gezeigt, dass derartige Täter selbst bei Freigängen wieder zuschlagen können. Ich würde sie daher bevorzugt in Wohngebieten ansiedeln in denen Befürworter dieses Unsinns wohnen. Mal sehen wie schnell sich die Meinung dann ändert.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.