Sexueller Missbrauch Bischöfe vertagen Entschädigungsentscheidung

Die Deutsche Bischofskonferenz tut sich schwer damit, die Opfer sexuellen Missbrauchs finanziell für ihre Leiden zu entschädigen. Ein konkreter Vorschlag soll erst in den nächsten Wochen gemacht werden. Neben finanzieller Unterstützung sind auch "gesamtmenschliche Hilfen" geplant.


Fulda - Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) hat sich auf der Herbstvollversammlung in Fulda nicht auf konkrete Summen zur Entschädigung von Opfern sexuellen Missbrauchs geeinigt. Entsprechende Vorschläge seien noch im Detail auszuarbeiten, sagte DBK-Vorsitzender Robert Zollitsch. "Wir sind bereit auch finanziell mit einzusteigen", unterstrich er die generelle Bereitschaft, die Opfer zu entschädigen.

Die detaillierten Vorschläge werde man am Runden Tisch der Bundesregierung einbringen. Dazu erhofften sich die Bischöfe "eine möglichst zeitnahe Diskussion". Es komme jedoch auf "gesamtmenschliche Hilfe" an, um die Betroffenen dabei zu unterstützen ihr Opferschicksal zu überwinden und neue Stärke zu gewinnen. "Wir wehren uns dagegen, dass alles auf die finanzielle Komponente gesetzt wird", sagte der Freiburger Erzbischof.

Die DBK beschloss eine kirchliche Ordnung zum Schutz vor Kindesmissbrauch. Die "Rahmenordnung Prävention" stellt vor allem klare Verhaltensregeln und Dienstanweisungen für kirchliche Mitarbeiter auf. "Ihr Ziel ist es, alle Personen im kirchlichen Bereich zu sensibilisieren und zu befähigen, Hinweise auf sexuellen Missbrauch zu erkennen und mit diesen angemessen umzugehen.", sagte der Missbrauchsbeauftragte der DBK, Bischof Stephan Ackermann.

Zudem sollen haupt- und nebenamtliche Mitarbeiter ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vorlegen und Ehrenamtliche eine Selbstverpflichtungserklärung unterschreiben. Die Bistümer sind nun verpflichtet, ihren Mitarbeitern klare Verhaltensregeln zu geben, Beratungs- und Beschwerdewege zu schaffen und die Personalauswahl und Fortbildung zu verbessern. Jeder Bischof muss einen Missbrauchsbeauftragten ernennen, der die Präventionsarbeit der Diözese koordiniert.

Bereits Ende August hatte Bischof Ackermann in Trier verschärfte Leitlinien der Kirche im Umgang mit sexuellem Missbrauch Minderjähriger präsentiert. Opfervertreter zeigten sich enttäuscht, weil darin keine finanziellen Entschädigungen geregelt sind. Sie hatten nun von der Herbstvollversammlung einen entsprechenden Beschluss verlangt.

bac/apn/dpa



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