Sexvideo-Skandal Mosley kämpft vor Gericht gegen "News of the World"

Sado-Maso-Sex: ja, Nazi-Bezug: nein. Fia-Chef Max Mosley zieht gegen die Behauptung der britischen "News of the World" zu Felde: Der Funktionär steht zu seinen intimen Vorlieben. Die Rollenspiele, die durch die Zeitung publik wurden, seien jedoch "alles andere als krank".

Hamburg - Details aus dem Privatleben von Max Mosley haben in den vergangenen Monaten die Gemüter erregt. Nun steht der Fia-Chef vor Gericht: Der 68-Jährige verlangt Schmerzensgeld von der britischen Boulevardzeitung "News of the World", weil diese Details über eine sado-masochistische Sex-Orgie veröffentlichte, an der Mosley beteiligt gewesen und die einen deutlichen Bezug zum Nationalsozialismus gehabt haben soll. "Formel-Eins-Boss feiert kranke Nazi-Orgie mit fünf Prostituierten", hatte die Zeitung getitelt.

Mosley gibt zu, an der Orgie beteiligt gewesen zu sein, widerspricht aber der Aussage, die Party habe einen NS-Bezug gehabt: Er sei der letzte, der Nazi-Rollenspiele erotisch finde, gab Mosley vor Gericht zu Protokoll.

Das auf der Homepage der "News of the World" veröffentliche Video enthält zwar Sequenzen auf Deutsch und zeigt Mosley bei sexuellen Rollenspielen - liefert jedoch keinen eindeutigen Beleg, dass das Spiel einen NS-Bezug gehabt hat. Die "News of the World" hatte betont, dass angeblich Nazi-ähnliche Gesten und Äußerungen gemacht wurden.

Vor Gericht wurde bekannt, dass Mosley der Domina 35.000 Pfund gezahlt hatte, damit diese ihre Arbeit in einem Keller in Chelsea verrichtete.

Im Kreuzverhör entgegnete Mosley: "Meiner Meinung nach hatte das nichts mit Nazismus zu tun." Mosleys Anwalt, James Price, sagte, es sei ungeheuerlich, dass die Zeitung nahe gelegt habe, dass sein Mandant das Verhalten der Nazis gegenüber den Juden in den Vernichtungslagern verspottet habe.

Die "News of the World" scheint jedoch bemüht, den erweckten Eindruck aufrecht zu erhalten: Zum Prozessauftakt hat der Anwalt der Zeitung, Mark Warby, nun eine Ton-Aufzeichnung vorgelegt. Diese soll offenbar den Eindruck, es habe historische Bezüge auch bei vorherigen Orgien gegeben, verstärken. Auf dem Band sind laut "Times Online" Mosley und eine Frau zu hören. Unter anderem sagt eine Frauenstimme: "Aber wir sind die Arier, die Blonden."

Anwalt Warby sagte darauf: "Kommen Sie schon: Wie viele politische Bewegungen haben die Überlegenheit der arischen Rasse in ihren Mittelpunkt gestellt?"

Mosley konterte, die Benutzung des Wortes "Arier" habe "ipso facto" nicht zur Folge, dass ein Zusammenhang zu NS-Zeit bestehe. "Ich kann mir nur wenige Dinge vorstellen, die ich unerotischer finde, als Nazi-Rollenspiele. Ich verbinde mit dieser Zeit außerdem viele Dinge, die dies für mich noch weniger interessant werden lassen. Meine Vorfahren, meine Eltern, haben mein ganzes Leben geprägt. Ich würde nicht sagen, dass meine Eltern Nazis waren, aber es gibt da eindeutig eine Verbindung." Oswald Mosley ist Gründer der faschistischen Partei "British Union of the Fascists".

Angesprochen auf die Uniformen, die Gewalt, die ausgeübt wurde, und die Szenen der Demütigung, die nachgespielt wurden, rechtfertigte sich Mosley: "Wir haben nicht versucht, eine historische Szene nachzuspielen. Wir haben versucht, eine Szene aus einem modernen Gefängnisalltag darzustellen. Ich kann ihnen keinen Zeitraum in der deutschen Geschichte nennen, die so aussah. Das war einfach Mumpitz."

Zwei Frauen, die an der Orgie beteiligt waren, verneinten vor Gericht ebenfalls einen NS-Bezug. Eine der Frauen sagte, es habe sich lediglich um eine "Gefängnis-Phantasie" gehandelt: "Ich bin entsetzt über den Vorwurf, dass unser Rollenspiel Nazi-Andeutungen oder Anspielungen auf die NS-Zeit enthalten haben soll", sagte sie. "Keine Nazi-Bilder, Uniformen oder sonstiges Material wurde benutzt. Ich kann keinen NS-Bezug feststellen." Eine weitere Frau sagte aus, sie fühle sich durch die beteiligte Kollegin, die das Video der "News of the World" zugespielt habe, betrogen.

Mosley beharrt darauf, Opfer einer Verschwörung geworden zu sein. Wenige Wochen zuvor sei er von Lord Stevens of Kirkwhelpington, dem früheren Scotland-Yard-Chef, gewarnt worden, dass man versuche, ihn zu diskreditieren. Erst aus der "News of the World" habe seine Familie von seinen Vorlieben erfahren: "Meine Frau und ich sind seit 48 Jahren verheiratet und seit mehr als 50 Jahren zusammen. Wir haben uns als Teenager kennengelernt, und sie wusste all die Jahre nichts von diesem Teil meines Lebens. Die Überschrift in der Zeitung war schockierend für sie und ich weiß nicht, wie ich das wieder gut machen kann."

Im Kreuzverhör sagte Mosley laut "Times Online": "Ich glaube nicht, dass ein vernünftiger Erwachsener diese Aktivitäten als 'krank' bezeichnen würde."

han