Shoppen statt ballern Waffennarren tauschen Gewehre gegen Geschenke

Ungewöhnliche Weihnachtsaktion in Los Angeles: Ganz anonym und diskret tauscht hier ein Sheriff illegal erworbene Waffen gegen Kosumgutscheine. Der Zulauf im Jahr der Wirtschaftskrise ist gewaltig.


Los Angeles - In dem von Bandenkriegen und Kriminalität geplagten Vorort Compton stößt die traditionelle vorweihnachtliche Umtauschaktion "Gewehre gegen Geschenke" in diesem Jahr laut Polizei auf ungewöhnlich große Resonanz.

Über 40 Prozent aller weltweit verkauften Waffen stammen aus den USA
AFP

Über 40 Prozent aller weltweit verkauften Waffen stammen aus den USA

Seit 2005 können hier illegale Waffen im Büro des Sheriffs anonym gegen Gutscheine für Elektronikgeschäfte und Supermärkte getauscht werden. Sammelten die Behörden im vergangenen Jahr 387 Waffen ein, waren es im laufenden bereits 965 Schusswaffen und Pistolen, die auf diese Art aus dem Verkehr gezogen werden konnten. Die Polizei prüft, ob die abgegebenen Waffen bei Verbrechen eingesetzt wurden, und verschrottet sie anschließend.

Die Supermarktgutscheine im Wert von 100 Dollar sind in diesem Jahr besonders beliebt - der Polizei zufolge ist dies ein deutliches Zeichen für die finanziellen Schwierigkeiten vieler US-Bürger in Zeiten der Finanzkrise.

"Die Leute haben im Moment einfach kein Geld mehr, um Essen zu kaufen", kommentierte Byron Woods am Montag im Fernsehsender Fox 11 das in diesem Jahr auffällige Desinteresse an Elektronikgutscheinen. "Ein Mann kam herein und sagte, ihm sei gerade gekündigt worden. Er hat fünf Waffen auf den Tisch gelegt und gesagt, das würde ihm sehr dabei helfen, seine Familie zu ernähren."

Laut Woods geben vor allem Familien die illegalen Waffen ab. "Es ist so wichtig, dass diese Gewehre von der Straße verschwinden", so der Sheriff. "Man weiß nie, was sie hätten anrichten können." Im Stadtteil Compton ist die Wahrscheinlichkeit, durch eine Kugel zu sterben, zehn Mal größer als in anderen Landesteilen. Aber auch in Städten wie San Francisco und New York gibt es bereits vergleichbare Projekte.

Laut einem Bericht des US-Kongresses stammen über 40 Prozent aller weltweit verkauften Waffen aus den Vereinigten Staaten.

ala/AFP



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