Siebenfachmord in China-Restaurant Lebenslange Haft für Haupttäter
Stade - Mehr als zwei Jahre nach dem siebenfachen Mord in einem China-Restaurant im niedersächsischen Sittensen sind zwei der fünf Angeklagten zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt worden. Das Landgericht Stade stellte bei einem der beiden Männer zudem die besondere Schwere der Schuld fest. Damit ist eine vorzeitige Entlassung auf Bewährung nach dem Verbüßen von 15 Jahren Haft ausgeschlossen. Gegen drei Komplizen verhängten die Richter mehrjährige Haftstrafen.
So wurde ein Angeklagter wegen Raubes mit Todesfolge zu 14 Jahren Haft verurteilt, der mutmaßliche Fahrer des Fluchtautos zu vier Jahren und neun Monaten Haft. Den Tippgeber für den brutalen Überfall - eine ehemalige Aushilfe in dem Restaurant - sprach das Landgericht der Anstiftung zum schweren Raub schuldig und verurteilte ihn zu fünf Jahren Haft.
Richter Hans-Georg Kaemena sah es als erwiesen an, dass die Angeklagten im Alter von 31 bis 43 Jahren für den Mord an sieben Menschen verantwortlich sind. Er machte deutlich, dass es sich bei dem Verbrechen "um eines der schwersten in der Nachkriegsgeschichte" handele.
Nur die zweijährige Tochter der Inhaber überlebte. Der Ehemann einer Angestellten hatte die Leichen entdeckt. Die Täter waren mit rund 5000 Euro, zwei Notebooks und einigen Handys geflohen.
Zwei der nun verurteilten Männer waren der Polizei per Zufall schon 13 Stunden nach der Tat bei einer Verkehrskontrolle ins Netz gegangen: Wegen fehlender Papiere hatten Polizisten den Wagen durchsucht und einen Zettel mit dem Lageplan des China-Restaurants gefunden. Bis Ende Juni 2007 waren auch die drei weiteren nun Verurteilten festgenommen und angeklagt worden.
Die Tat hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst. Die fünf Angeklagten vietnamesischer Herkunft hatten kurz vor dem Ende des mehr als einjährigen Prozesses in der vergangenen Woche überraschend Geständnisse abgelegt.
Die Staatsanwaltschaft hatte für die drei mutmaßlichen Haupttäter lebenslänglich wegen Mordes gefordert, für die anderen beiden jeweils sechs Jahre Gefängnis. Die Verteidigung hatte auf konkrete Strafmaßforderungen weitgehend verzichtet.
Der nun am 107. Verhandlungstag beendete Mammutprozess hatte im August 2007 begonnen. Im Dezember 2007 war zunächst Schluss, weil eine Richterin erkrankte, im Januar 2008 wurde der Prozess fortgesetzt. Vor allem wegen ständig neuer Anträge der Verteidigung hatte sich das Verfahren aber immer mehr in die Länge gezogen. Auch am Tag der Urteilverkündung hatte die Verteidigung wieder mehrere Anträge gestellt und so für weitere Unterbrechungen gesorgt, so dass das Urteil erst am Nachmittag fiel.