Anklage in Bonn Familie soll Rollstuhlfahrer eingesperrt und gequält haben

Als ein Rollstuhlfahrer seinen Schlüssel bei der Nachbarsfamilie abholen wollte, nahm diese ihn offenbar gefangen: Zwei Geschwistern aus Siegburg wird schwere Freiheitsberaubung vorgeworfen.
Mann im Rollstuhl (Symbolbild): Freiheitsberaubung in Siegburg

Mann im Rollstuhl (Symbolbild): Freiheitsberaubung in Siegburg

Foto: Heike Lyding / epd / imago images

Eine Siegburger Familie soll einen Monat lang einen Rollstuhlfahrer in ihrer Wohnung gefesselt und misshandelt haben, um an sein Geld zu kommen.

Die Staatsanwaltschaft Bonn hat einen 29-Jährigen und seine 32 Jahre alte Schwester unter anderem wegen schwerer Freiheitsberaubung angeklagt, wie eine Gerichtssprecherin mitteilt. Der 34 Jahre alte Ehemann der Schwester wurde wegen Beihilfe angeklagt. Insgesamt werden der Familie 52 Taten vorgeworfen, darunter auch gefährliche Körperverletzung, schwerer Raub, Computerbetrug und Diebstahl. Zwei weiteren Mitangeklagten wird unterlassene Hilfeleistung vorgeworfen.

Die Familie soll den Nachbarn im Februar 2021 zu ihrem Gefangenen gemacht haben, als er nach einem stationären Krankenhausaufenthalt seinen Hausschlüssel bei ihr habe abholen wollen. Vier Wochen wurde der Mann laut Staatsanwaltschaft geschlagen, getreten, gedemütigt und gequält.

Zehntausende Euro abgebucht

Nach Angaben der Behörde wurden in dieser Zeit von seinem Konto mehr als 25.000 Euro abgebucht. Weitere Versuche, 35.000 Euro online abzuheben, seien gescheitert. Ein Bankmitarbeiter, dem die Unregelmäßigkeiten auf dem Konto aufgefallen seien und der den Kontoinhaber nicht habe erreichen können, hatte den Angaben zufolge die Polizei eingeschaltet.

Der Rollstuhlfahrer wurde demnach im März 2021 schwer verletzt in der Küche der Familie angetroffen. Zu den Vorwürfen haben die Angeklagten bislang geschwiegen.

Der Prozess vor dem Bonner Landgericht soll im Sommer starten.

ptz/dpa