SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

19. Mai 2016, 19:04 Uhr

Taten in fünf Bundesländern

Prozess gegen mutmaßlichen Geldautomatensprenger

In Siegen steht ein mutmaßlicher Geldautomatensprenger vor Gericht. Der 46-Jährige soll quer durch Deutschland gereist sein - und großen Schaden angerichtet haben.

Wegen einer Serie von Sprengattacken auf Geldautomaten in fünf Bundesländern steht ein mutmaßlicher Einzeltäter nun vor Gericht. Mit einem Gas-Luft-Gemisch soll der 46-Jährige aus Siegen über einen Zeitraum von acht Jahren immer wieder Geldautomaten in die Luft gejagt und geplündert haben.

Zum Prozessauftakt vor dem Landgericht Siegen wurde die Anklage verlesen. Insgesamt ein Dutzend Taten wirft die Staatsanwaltschaft dem Mann vor, der wegen Herbeiführens von Sprengstoffexplosionen angeklagt ist.

Meist soll der mutmaßliche Täter im Umfeld seiner Heimatstadt aktiv gewesen sein. Jahrelang versteckte er sich offenbar in Schleswig-Holstein und Hamburg. Dort wurde er im November 2015 in einer Lagerhalle nach Zeugenhinweisen festgenommen. Mehrfach wurde mithilfe der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" nach dem Täter gefahndet. Die Tatorte liegen in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz, Hamburg und Schleswig-Holstein.

Immenser Sachschaden

Bei den meisten Sprengattacken kam der Täter nicht ans Geld, weil die Technik standhielt. Bei einigen Taten soll er jedoch hohe Beträge erbeutet haben: An einem Automaten an der Universität Siegen beispielsweise fast 100.000 Euro, an einem Automaten in Hamburg 80.000 Euro.

In einem Fall flogen Splitter eines Wintergartenvorbaus, in dem der Automat stand, 20 Meter weit. Ein anderes mal ging die Druckwelle nach hinten in einen Tresorraum und richtete dort immensen Sachschaden an.

Für die Staatsanwaltschaft ist klar, dass nur durch Glück niemand verletzt wurde. Über einer betroffenen Bankfiliale wohnte eine Familie. Ein anderes Mal soll der Mann einen Geldautomaten auf einer Raststätte bei Siegen in die Luft gejagt haben, während im Stockwerk darüber Gäste im Restaurant saßen. "Eine Zeugin berichtete von Todesangst. Sie habe an einen Terror-Anschlag geglaubt", sagte Staatsanwalt Patrick Baron von Grotthuss bei der Anklageverlesung.

Der Prozess wird am 1. Juni fortgesetzt.

wit/dpa

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung