Nach Übergriffen Köln rüstet für Silvester auf

1500 Polizisten, zwei Medienzentren: Die Silvesterparty in der Kölner Innenstadt wird diesmal genau beobachtet - auch aus dem Ausland. Massive sexuelle Übergriffe wie im vergangenen Jahr sollen sich nicht wiederholen.

Polizeiwagen vor dem Kölner Dom
DPA

Polizeiwagen vor dem Kölner Dom


Unter starken Sicherheitsvorkehrungen feiern die Menschen in der Kölner Innenstadt am Samstag den Jahreswechsel. Allein in der Innenstadt sollen rund 1500 Beamte im Einsatz sein, zehnmal so viele wie im vergangenen Jahr. Hochauflösende Videokameras übertragen Bilder vom Vorplatz des Hauptbahnhofs live ins Polizeipräsidium.

Nach den chaotischen Zuständen der vergangenen Silvesternacht soll nun alles anders werden. Damals war es vor allem durch nordafrikanische Täter zu massenhaften sexuellen Übergriffen auf Frauen und Raubdelikten gekommen. Der Polizeipräsident Wolfgang Albers wurde deshalb in den einstweiligen Ruhestand versetzt.

Rund um den Dom ist in diesem Jahr eine "böllerfreie Zone" eingerichtet, die durch Absperrgitter und mit Einlasskontrollen gesichert ist. Einige Rheinbrücken und Straßen werden gesperrt.

Nach dem Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt wurde das Sicherheitskonzept zudem nachjustiert: Betonklötze oder Fahrzeugsperren sollen verhindern, dass Lastwagen in die Menschenmenge fahren können.

Auch andere Städte haben besondere Vorkehrungen für Silvester getroffen - einen Überblick finden Sie hier.

Über die chaotischen Szenen, die die sich in der vergangenen Silvesternacht in Köln ereigneten, wurde weltweit berichtet. Männergruppen kesselten Frauen ein, begrapschten und bestahlen sie. Böller und Raketen flogen in die Menschenmenge. Die Polizei schien machtlos, viel zu wenige Beamte waren eingesetzt.

Bei der Staatsanwaltschaft Köln sind bis heute 1222 Strafanzeigen im Zusammenhang mit der Silvesternacht eingegangen, 513 davon beziehen sich auf Sexualdelikte. Nur 30 Beschuldigte wurden bisher verurteilt, die meisten wegen Diebstahls oder Hehlerei. Zwei Männer erhielten Bewährungsstrafen wegen sexueller Nötigung, ein Angeklagter bekam eine Haftstrafe wegen Beleidigung auf sexueller Basis.

Ein Untersuchungsausschuss des NRW-Landtags versucht seit Monaten aufzuklären, wie es zu den Übergriffen kommen konnte. Die Kölner Silvesternacht galt vielen als Beleg für das Versagen der Behörden.

Zahlreiche Journalisten aus aller Welt haben sich für die diesjährigen Silvesterfeiern angekündigt, die Stadt hat extra zwei Medienzentren eingerichtet. Auch einige Politiker wollen sich im Laufe des Abends vor Ort ein Bild von der Lage machen, etwa der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger und die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker.

kgp/dpa

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