Kindermörder BGH verhandelt Ende Juni Revision im Fall Silvio S.

Wegen des Mordes an den Jungen Mohamed und Elias sitzt Silvio S. eine lebenslange Freiheitsstrafe ab. Die Staatsanwaltschaft fordert auch Sicherungsverwahrung, Ende Juni wird die Revision der Anklagebehörde verhandelt.

Silvio S. vor Gericht (Archiv)
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Silvio S. vor Gericht (Archiv)

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Der Bundesgerichtshof (BGH) verhandelt nach SPIEGEL-Informationen Ende Juni die Revision im Fall des Kindermörders Silvio S. Das Potsdamer Landgericht hatte ihn im vergangenen Sommer zu lebenslanger Haft verurteilt. Der fünfte Strafsenat des BGH wird dazu am 28. Juni zusammenkommen.

Das Landgericht Potsdam hatte in seinem Urteil zwar die besondere Schwere der Schuld festgestellt, nicht aber eine anschließende Sicherungsverwahrung angeordnet - entgegen der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Anklagebehörde hatte das Urteil daher angefochten.

Silvio S. hatte den vier Jahre alten Mohamed und den sechsjährigen Elias entführt, missbraucht und getötet. Die Staatsanwaltschaft fordert, dass für Silvio S. wegen seiner Gefährlichkeit auch Sicherungsverwahrung angeordnet werden müsse. Diese Maßnahme ist keine Strafe für ein Verbrechen. Vielmehr dient sie dazu, die Allgemeinheit vor Tätern zu schützen, die auch nach Verbüßung ihrer Strafe als gefährlich gelten.

Ihre Revision begründen die Ankläger mit Mängeln des Potsdamers Urteils. Demnach wäre Silvio S. zum Serientäter geworden, wenn man ihn nicht durch eine umfangreiche Öffentlichkeitsfahndung gefasst hätte. Auch die Generalbundesanwaltschaft schloss sich dieser Meinung an. Das Potsdamer Gericht habe einen entsprechenden Hang von Silvio S. zu Gewalttaten gegen Kinder "nicht mit dem rechtlich gebotenen Tiefgang erörtert", deswegen sei eine Revision nötig.

Die Taten von Silvio S. lösten bundesweit Entsetzen aus. Im Juli 2015 lockte er in Potsdam den damals sechsjährigen Elias vor dessen Elternhaus in sein Auto. Das Kind starb wenig später durch "gewaltsames Ersticken", die Leiche des Jungen vergrub Silvio S. in einer Kleingartenanlage in Luckenwalde - etwa 25 Kilometer von Kaltenborn entfernt, wo S. im Haus seiner Eltern wohnte.

Anfang Oktober 2015 entführte S. vor dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales den Flüchtlingsjungen Mohamed. Er lockte ihn in sein Auto, fuhr ihn zu sich nach Hause, schaut zunächst Pornos mit ihm, betäubte ihn und versuchte, ihn zu vergewaltigen. Als der Junge sich schließlich wehrte und zu schreien begann, erdrosselte S. das Kind und versteckte es in einer Plastikwanne.

Beide Fälle konnten erst aufgeklärt werden, nachdem Fahndungsbilder von Silvio S. bundesweit im Fernsehen liefen, am Ende verriet die Mutter ihren Sohn bei der Polizei. Nach einem anfänglichen Geständnis bei der Polizei schwieg S. im Prozess, nur einmal verlies er eine vorbereitete Erklärung und entschuldigte sich bei den Opfern seiner Taten.

Für die Vermutung, dass es sich bei Silvio S. um einen potenziellen Serientäter handeln könnte, gibt es viele Anzeichen. Abseits seiner Kaltblütigkeit bei den Kindern Mohamed und Elias zeugt eine ganze Sammlung von Spielzeugartikeln in seinem Zimmer von der möglichen Absicht, weitere Opfer anzulocken.



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