Sittensen-Prozess Pleiten, Pech und inszenierte Pannen

Es ist der zweite Prozesstag im Fall des siebenfachen Mordes von Sittensen - und erneut drohte der Abbruch: Die Verteidiger fordern andere Dolmetscher. Doch das Gericht lehnte ab, und die Staatsanwaltschaft konnte nun immerhin die Anklageschrift verlesen.


Stade - Nach einer Beratungspause hatte das Gericht die Forderung mehrerer Verteidiger abgelehnt, neue Dolmetscher zuzulassen. Ihre Mandanten hätten die Übersetzung vom ersten Prozesstag nicht ganz verstanden, hieß es zur Begründung. Zudem hatten die Anwälte gesagt, sie befürchteten, dass einer der Dolmetscher befangen sei, erklärten sie vor dem Landgericht Stade.

Die fünf angeklagten Vietnamesen sollen laut Staatsanwaltschaft in der Nacht zum 5. Februar im Restaurant "Lin Yue" im niedersächsischen Sittensen das Betreiberehepaar sowie fünf Angestellte überfallen, gefesselt und erschossen haben.

Am ersten Prozesstag Ende August war es nicht zur Verlesung der Anklageschrift gekommen, weil sich die Verteidiger massiv über angeblich unvollständige Akten beklagt hatten. Zudem hätten Polizei und Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen noch nicht abgeschlossen. Das Gericht setzte die Verhandlung nach wenigen Stunden aus. Auch am zweiten Prozesstag wurde die Verhandlung nach der Anklageverlesung vertagt - aus denselben Gründen.

Drei der Angeklagten müssen sich wegen gemeinschaftlichen Mordes und Raubs verantworten. Der vierte Angeklagte habe "Schmiere gestanden" und ist wegen schweren Raubes angeklagt. Der fünfte Mann gilt als Tippgeber und muss sich wegen Anstiftung zum Raub verantworten.

Die Angeklagten sind zwischen 30 und 42 Jahre alt. Es handelt sich um zwei Brüderpaare und eine ehemalige Aushilfe aus dem Restaurant. Bei ihnen fanden die Ermittler Blut-, Faser- und Schmauchspuren sowie Beute aus dem Raub. Neben den Indizien stützt sich die Anklage auf Teilgeständnisse von zwei Tatverdächtigen: Das Brüderpaar hat einen Komplizen schwer belastet. Er soll die Mordwaffe mitgebracht und die sieben Opfer allein erschossen haben. Gemeinsam sei nur der Raub geplant gewesen.

Juristen erwarten einen langwierigen Indizienprozess. Das Gericht rechnet nicht mit einem Urteil in diesem Jahr. Der nächste Verhandlungstermin ist für Donnerstag angesetzt.

jjc/ffr/dpa/AP



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