Skandal in Bayern Fahnder beschlagnahmen elf Tonnen Ekelfleisch

Ein neuer Gammelfleisch-Skandal erschüttert Bayern: Die Behörden haben in einer Firma in Wertingen elf Tonnen Ware beschlagnahmt. Laut Staatsanwaltschaft hat das Unternehmen bereits 20 weitere Tonnen der als Tierfutter gedachten Fleischreste an Döner-Hersteller geliefert.

Memmingen - Das Ende vergangener Woche beschlagnahmte Material sollte ebenfalls an einen Döner-Hersteller geliefert werden. Es handelte sich um Rind- und Putenfleisch. Wie die Staatsanwaltschaft Memmingen heute mitteilte, gestand der Ehemann der Wertinger Firmenchefin, bereits im Juli 20 Tonnen für den menschlichen Verzehr ungeeignetes sogenanntes K-3-Material falsch etikettiert und an einen Döner-Produzenten weiterverkauft zu haben.

Die Dönerfleisch-Firma soll dem Geständnis des Mannes zufolge nicht gewusst haben, dass es sich um Fleischabfälle gehandelt habe. Das Fleisch sei vermutlich schon verzehrt worden.

Die Behörden kamen dem Fall auf die Spur, nachdem ein misstrauischer Lastwagen-Fahrer bei der Anlieferung der nur für die Tierfutterproduktion bestimmten Fleischabfälle die Polizei einschaltete. Ihm war den Angaben zufolge aufgefallen, dass der Verdächtige die Ware an einem möglichst unauffälligen Ort abgeladen haben wollte. Der Mann der Firmenchefin habe dann sofort begonnen, die Etiketten von der Ware zu entfernen.

Staatsanwalt Jürgen sagte, gegen den Ehemann der Firmenchefin werde "wegen Inverkehrbringens von nicht sicheren Lebensmitteln und Betrugs" ermittelt. Bei dem so genannten K-3-Material handelt es sich nach EU-Recht um ein tierisches Nebenprodukt, dass nur als Tierfutter für Heim- oder Zootiere verarbeitet werden darf, nicht aber für Nutztiere, die der Mensch später verzehrt.

Erst im vergangenen Dezember hatte das Landgericht Memmingen einen Deggendorfer Fleischhändler wegen Betrugs mit derartigen Schlachtabfällen zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Er hatte tonnenweise umetikettiertes K-3-Material an die Lebensmittelindustrie verkauft, das zu Suppen und Gelatine verarbeitet worden war.

Für einen bundesweitem Verkaufsrückgang bei Döner-Buden sorgte genau vor einem Jahr der Fall des Münchner Fleischhändlers Georg Bruner. In seinem Kühlhaus stellten die Behörden zig Tonnen verdorbenes Fleisch und Lebensmittel sicher. Der Geschäftsmann nahm sich wenige Tage später das Leben.

Der bayerische Verbraucherminister Werner Schnappauf (CSU) geriet später schwer unter Druck, als bekannt wurde, dass Behörden schon Monate zuvor über Missstände bei der Münchner Firma informiert waren. Im bayerischen Landtag beschäftigt sich ein Untersuchungsausschuss mit der Serie von Fleischskandalen im Freistaat.

ffr/AP/dpa

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