Berufungsverfahren um Billig-Brustimplantate Firmengründer bestreitet schweren Betrug

Der französische Brustimplantathersteller PIP soll mit minderwertigem Silikon gearbeitet und damit die Gesundheit Zehntausender Frauen gefährdet haben. Im Berufungsprozess weist der Firmengründer den Betrugsvorwurf von sich.
Fehlerhaftes PIP-Brustimplantat: Etwa 6000 Frauen in Deutschland betroffen

Fehlerhaftes PIP-Brustimplantat: Etwa 6000 Frauen in Deutschland betroffen

Foto: Lionel Cironneau/ AP

Im französischen Aix-en-Provence hat der Berufungsprozess im Skandal um minderwertige Brustimplantate der französischen Firma Poly Implant Prothèse (PIP) begonnen. Auf der Anklagebank sitzen vier Verantwortliche sowie der Unternehmensgründer Jean-Claude Mas. Letzterer wies zu Prozessauftakt den Vorwurf des schweren Betrugs zurück.

Losgetreten wurde der PIP-Skandal im Jahr 2010, als bekannt wurde, dass PIP seine Brustimplantate statt mit Spezialsilikon mit billigem Industriesilikon befüllt hatte. Diese Kissen reißen leichter und können heftige Entzündungen auslösen.

Im Dezember 2011 starb eine Frau, die sich PIP-Implantate hatte einsetzen lassen. Die Behörden ermittelten wegen Verdachts der fahrlässigen Körperverletzung und Tötung. 30.000 französischen Frauen wurde die Entfernung der Implantate angeraten, gegen den PIP-Gründer wurde ein Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet, das Unternehmen zwangsliquidiert.

PIP-Gründer Jean-Claude Mas: "Kein schwerer Betrug"

PIP-Gründer Jean-Claude Mas: "Kein schwerer Betrug"

Foto: Claude Paris/ AP/dpa

In einem Strafprozess in Marseille wurde Mas im Dezember 2013 unter anderem des Betrugs schuldig gesprochen. Der heute 76-Jährige wurde zu vier Jahren Haft und 75.000 Euro Bußgeld verurteilt, darf nie wieder im Gesundheitssektor arbeiten und kein Unternehmen mehr gründen. Das Berufungsverfahren allerdings hat für seine Strafe aufschiebende Wirkung.

Auf die Frage des Richters nach seinen Beweggründen für eine Berufungsklage antwortete Mas: "Ich akzeptiere nicht, dass der Betrug als schwerer Betrug eingestuft wird." Der Firmengründer hatte bereits früh eingestanden, betrügerisch gehandelt zu haben, aber stets bestritten, dass das von PIP verwendete Gel schädlich gewesen sei.

Defektes Implantat der Firma PIP: "Silikonkügelchen in der Brust"

Defektes Implantat der Firma PIP: "Silikonkügelchen in der Brust"

Foto: Bruno Bebert/ dpa

Opferanwalt Laurent Gaudon erklärte, es sei für die Opfer unerträglich, zu hören, dass das Produkt nicht gefährlich wäre. Viele hätten gesundheitliche Probleme, hätten Silikonkügelchen in den Brüsten", sagte er.

Der Prozess soll bis zum 27. November dauern. Im Dezember 2013 hatten die Richter Mas unter anderem wegen Betrugs am TÜV verurteilt - sie sahen es als erwiesen an, dass der Firmenchef die Kontrolleure bei ihren Besuchen vorsätzlich getäuscht hatte.

Der TÜV Rheinland ist Nebenkläger in dem Verfahren in Aix-en-Provence. In erster Instanz waren die Prüfer, die den Produktionsprozess von PIP zertifiziert hatten, als Opfer der Täuschung anerkannt worden. Dies sahen auch andere Gerichte so. Zwar wurde der TÜV in einem Zivilverfahren in Toulon 2013 zu einer Entschädigung der Opfer verurteilt, dieses Urteil wurde in der zweiten Instanz aber wieder kassiert: Das Prüfunternehmen habe seine Verpflichtungen durchaus erfüllt.

Schätzungen zufolge wurden Hunderttausenden Frauen die Silikonkissen von PIP eingesetzt. In Deutschland sind etwa 6000 Frauen betroffen. Allein in Frankreich ließen sich bis März 2015 mehr als 18.000 Frauen die PIP-Implantate entfernen.

ala/dpa/AFP