Sohn ermordet Streng religiöser Vater zu lebenslanger Haft verurteilt

Ein christlicher Fundamentalist, der seinen Sohn tötete, ist zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Der 60-Jährige hatte den jungen Mann im Streit erstochen, weil er sich gegen die rigiden Erziehungsmethoden des Vaters aufgelehnt hatte.


Lübeck – Der pensionierte Bundespolizeibeamte hatte nach Aussagen des Richters am Lübecker Landgericht mit der Tat versucht, seine Machtposition innerhalb der Familie zu erhalten. Der 22 Jahre alte Sohn hatte nach Aussagen von Zeugen immer wieder dessen Erziehungsstil kritisiert. Der Bluttat am 24. Oktober 2006 war ein jahrelanger Konflikt zwischen dem Vater und seinen Kindern vorangegangen.

Der Vater hatte seine zwölf Töchter und Söhne regelmäßig wegen banaler Vergehen geschlagen und dies mit einem Zitat aus dem Alten Testament begründet. Er hatte aus religiöser Überzeugung seinen heranwachsenden Kindern den Besuch von Partys verboten. Auch Beziehungen zum anderen Geschlecht vor der Ehe waren tabu. Als sein ältester Sohn sich eine Freundin wünschte, hatte der Vater ihm geraten, um eine Jungfrau zu beten. Gegen diese rigiden Erziehungsmethoden und die zum Teil naive Religiosität des Vaters habe der junge Mann rebelliert und dies sei ihm zum Verhängnis geworden, sagte der Richter in seiner Urteilsbegründung.

Nach einem heftigen Streit nahm der Angeklagte nach seinen eigenen Aussagen das größte Küchenmesser, das er finden konnte, und stach es dem Sohn von hinten mit aller Kraft in den Rücken. Die Rechtfertigung des Angeklagten, er habe damit die von seinem Sohn angedrohte Vergewaltigung eines Kindes verhindern wollen, wertete das Gericht als reine Schutzbehauptung.

Allen anwesenden Familienmitgliedern sei klar gewesen, dass der Sohn mit seiner Äußerung, er werde "eine Jungfrau schänden", nur den Vater provozieren wollte. Der Angeklagte habe sich seines Sohnes entledigen wollen, weil dieser sich nicht mehr unterordnen wollte, sagte der Richter.

Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Verteidiger, der eine geringere als die lebenslange Haftstrafe gefordert hatte, kündigte Revision an.

jjc/dpa



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