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11. Mai 2016, 18:44 Uhr

Hamburger Soko "Castle"

Unterwegs mit Bertie, der Einbruchsjägerin

Von Beate Schwarz

Die Anzahl der Einbrüche steigt, nur sehr wenig Fälle werden aufgeklärt. In Hamburg will eine Sonderkommission das ändern - und feiert erste Erfolge. SPIEGEL TV hat die Ermittler bei ihrer Arbeit begleitet.

Neun Uhr dreißig, tägliche Lagebesprechung in der Befehlstelle der Soko "Castle". Auf dem großen Konferenztisch liegt eine Karte Hamburgs, darauf ein paar Dutzend bunte Ortsmarken, jede steht für einen Einbruch oder einen Einbruchsversuch: Die Bilanz der letzten Nacht. Am Kopf des Tisches sitzt Alexandra Klein, Kriminaloberrätin, Leiterin der Soko. Sie und ihr Team sollen dafür sorgen, dass die Ortsmarken weniger werden, dass sich die Einbruchszahlen in Hamburg verringern.

Die Ermittler haben Grund zu vorsichtigem Optimismus: In den ersten vier Monaten dieses Jahres gibt es einen auffälligen Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. Und das, nachdem die Zahl der Einbrüche und Einbruchsversuche von 2014 auf 2015 um rund 20 Prozent gestiegen waren, auf 9007.

Alexandra Klein ist selbstbewusst genug, sich den Rückgang selbst zuzuschreiben, sich und ihrem fast hundertköpfigen Team, das sie in den vergangenen neun Monaten geformt hat. Eine Soko gegen Einbrecher, ausgestattet mit 30 Ermittlern und rund 70 operativen Einsatzkräften, geleitet von einer Frau - das ist neu in Deutschland.

Neue Fahndungsmethoden

Wer mit Alexandra Klein durch ihr geräumiges Büro im sechsten Stock des ehemaligen Shell-Verwaltungsgebäudes in der City Nord geht, der sieht viele Gruppenfotos von Polizisten in Kampfmontur, einen halben Revolver auf Holz - Andenken an ihre Zeit bei den Elitetruppen der Hamburger Polizei.

Auch als erste Kommandoführerin der Spezialeinheit SEK/MEK der Hamburger Polizei betrat Klein Neuland. Aus dieser Zeit stammt ihr Spitzname: Bertie. "Das kommt von Berti Vogts, dem Wadenbeißer. Ich kann gar nicht Fußballspielen, aber mit Ehrgeiz hat das etwas zu tun", sagt sie. "Die Kollegen fanden wohl, ich würde mich ähnlich wie Vogts festbeißen."

Dass Stallgeruch wichtig ist, weiß Klein von Kindheit an. Der Vater war Schutzpolizist in Grömitz an der Ostsee. Alexandra Klein lernte erst Hotelfachfrau, wechselte in Hamburg dann zu ihrem Traumberuf. Bei der Hamburger Polizei legte sie eine rasche Karriere hin: Im LKA, Dienststelle Sexualdelikte, gehörte die Festnahme eines Serienvergewaltigers zu ihren größten Erfolgen. Es folgten acht Jahre bei Spezialeinheiten, drei davon als Leiterin.

Die Aufklärungsquote bei Einbruchsdelikten ist niedrig: 8,7 Prozent betrug sie 2014. Klein will das ändern, sie setzt auf neue Fahndungsmethoden, darauf, Einbruchserien als solche zu erkennen. Ziel ist es, die Täter auf frischer Tat zu erwischen.

"Wir wollen sehen, wie man zum Beispiel Geoinformationssysteme für die Einbrecherjagd nutzen könnte", sagt sie. "Viel Zeit verwende ich auch dafür, Die Zusammenarbeit mit der Polizei in anderen Bundesländern, beim BKA und bei Europol zu intensivieren. Denn Einbrecher sind meist reisende Täter. Und sie lernen am Erfolg." Auch bei Staatsanwaltschaften wurde die Soko-Chefin schon vorstellig. "Einbrecher sind Serientäter. Sie sollten als solche konsequent mit Gefängnis bestraft werden, denn nur dann lohnt sich ihr Geschäft nicht mehr."

SPIEGEL TV hat die Soko "Castle" bei ihrer Arbeit begleitet, sie gewährte erstmals Einblicke in ihre Ermittlungen: Von der Spurensicherung bis zur Festnahme.

Sendetermin: Mittwoch, 11. Mai 2016, 22.15 - 23.15 Uhr, Sat.1

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