Mordprozess Lebenslange Haft für Mutter von fünf getöteten Kindern aus Solingen

Christiane K. ermordete nach Ansicht des Gerichts fünf ihrer Kinder: Im Solinger Mordprozess hat das Gericht die Höchststrafe verhängt.
Angeklagte im Gerichtssaal in Wuppertal (am 2. November)

Angeklagte im Gerichtssaal in Wuppertal (am 2. November)

Foto: Oliver Berg / dpa

In einem aufsehenerregenden Kindermordprozess ist das Urteil gefallen. Christiane K. hat nach Ansicht des Landgerichts Wuppertal fünf ihrer sechs Kinder getötet. Die Kammer verurteilte sie zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe und stellte die besondere Schwere der Schuld fest, was eine Haftentlassung nach 15 Jahren nahezu ausschließt.

Der 28-Jährigen wurde vorgeworfen, die drei Töchter und zwei Söhne am 3. September 2020 in ihrer Wohnung erstickt beziehungsweise erwürgt zu haben. Laut Anklage verabreichte sie den Kindern im Alter von eineinhalb bis achteinhalb Jahren zuvor verschiedene Medikamente und tötete sie dann in der Badewanne.

Als Motiv für die Tat nannte die Kammer eine Mischung aus Enttäuschung, Wut und »Verzweiflung darüber, dass das Lebenskonzept mit einer Großfamilie, die auf einer Insel vor sich hinlebt, zerplatzt ist«. Die Erkenntnis, dass es im Leben ihres getrennt lebenden Ehemanns eine neue Frau gab, habe für K. eine »erhebliche Demütigung und Kränkung« dargestellt. Mit der Tat habe sie womöglich auch ihren Mann bestrafen wollen.

Ihr Mann hatte ihr von einer neuen Partnerin berichtet. Sie sei enttäuscht darüber gewesen, dass ihr unzuverlässiger Mann in der Nachbarschaft eine neue Frau gefunden hatte, sagte der Staatsanwalt. K. habe eine Sehnsucht nach einer heilen Familie gehabt und sich in die Mutterrolle geflüchtet. »Sie lebte in einer Art Fassadenwelt, die sie selbst aufgebaut hatte. Nach dem Aus der Fassade waren die Kinder funktionslos geworden.«

Die Leichen der Kinder soll die heute 28-Jährige in Handtücher gewickelt und in ihre Betten gelegt haben. Ihr sechstes Kind, ein damals elfjähriger Junge, war zur Tatzeit in der Schule und blieb körperlich unverletzt.

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Er sagte bei der Polizei jedoch aus, dass seine Mutter ihn aufgefordert habe, mit ihr vor den Zug zu springen. Schließlich war er allein zu seiner Großmutter an den Niederrhein weitergefahren. K. indes überlebte ihren Sprung in Düsseldorf vor eine Bahn.

Die Angeklagte hatte behauptet, ein Unbekannter sei in ihre Wohnung eingedrungen, habe sie gefesselt, sie gezwungen, die Chatnachrichten zu schreiben, und ihre Kinder getötet. Verteidiger Thomas Seifert hatte einen Freispruch beantragt. Es gebe nach wie vor Zweifel an der Täterschaft seiner Mandantin.

Die vom Gericht bestellten psychiatrischen und psychologischen Gutachter hatten der Angeklagten volle Schuldfähigkeit attestiert. Hinweise auf eine gravierende psychische Störung fanden sie nicht. Das Landgericht hat an 20 Prozesstagen mehr als 40 Zeugen gehört.

bbr/jpz/AFP/dpa