Attentäter von Würzburg Somalier berichtete 2018 in Video von rassistischem Übergriff

Der mutmaßliche Attentäter von Würzburg schilderte vor drei Jahren, wie er und ein Freund in Chemnitz von Vermummten angegriffen wurden. Berichte über »Hetzjagden« hatten damals eine bundesweite Debatte ausgelöst.
Tatort in Würzburg

Tatort in Würzburg

Foto: Karl-Josef Hildenbrand / dpa

Der mutmaßliche Attentäter von Würzburg Abdirahman J. A. wurde vor drei Jahren Zeuge einer offenbar rassistischen Attacke. Am 1. September 2018 demonstrierten in Chemnitz Tausende Rechtsradikale und Wutbürger, nachdem ein Deutscher in der Stadt von einem Iraker erstochen worden war. An den Protesten waren auch AfD-Politiker und Aktivisten von Pegida und der rechtsextremen Identitären Bewegung beteiligt.

Abseits der Demoroute griffen an dem Tag laut Polizeiangaben gegen 19.35 Uhr im Stadtteil Markersdorf vier Vermummte einen Afghanen an. In einem Video der Funke-Mediengruppe schilderte der Betroffene damals mit einem Pflaster im Gesicht, dass er geschlagen worden sei.

Auf der Aufnahme steht neben ihm ein Somalier, bei dem es sich nach SPIEGEL-Informationen um Abdirahman J. A. handelt. Er berichtete, dass er Zeuge des Übergriffs geworden sei. In der Nähe einer Tankstelle seien sie auf der Straße von schwarz gekleideten und maskierten Personen angegriffen worden.

Er sei davongerannt, deswegen hätten sie ihn anders als seinen Freund nicht erwischt, sagte der Somalier der Funke-Mediengruppe: »Wir haben große Angst, in Chemnitz zu leben.« Ob die Angreifer aus den Reihen der rechtsradikalen Demonstranten kamen, blieb damals allerdings offen.

Bundesweite Debatte über »Hetzjagden«

Ausschreitungen in Chemnitz Ende August und Anfang September 2018 hatten eine bundesweite Debatte darüber ausgelöst, ob es in der Stadt »Hetzjagden« von Rechtsextremen auf Migranten gegeben hatte oder nicht.

Abdirahman J. A. kam im Mai 2015 nach Deutschland und beantragte Asyl. Als Bürgerkriegsflüchtling erhielt er einen sogenannten subsidiären Schutz. Zunächst lebte er in Sachsen, bis er im September 2019 nach Würzburg umzog. Dort lebte er zuletzt in einer Obdachlosenunterkunft.

Am vergangenen Freitag soll der Somalier in der Würzburger Innenstadt drei Frauen erstochen und weitere Menschen schwer verletzt haben. Die Ermittler haben Anhaltspunkte für ein islamistisches Motiv. Gleichzeitig hat die Generalstaatsanwaltschaft München ein psychiatrisches Gutachten beauftragt, um die Schuldfähigkeit des mutmaßlichen Attentäters zu klären. Abdirahman J. A. war in den vergangenen Monaten mehrfach in psychiatrischer Betreuung.

rol/stw/wow
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