Sommerlager auf Utøya "Ich bin hier, um Spaß zu haben"

Erstmals seit vier Jahren findet auf der norwegischen Insel Utøya wieder ein Sommercamp statt. Die Stimmung ist ausgelassen - an das Attentat von Anders Behring Breivik will niemand denken.

REUTERS/ NTB Scanpix

Vier Jahre, nachdem der Terrorist Anders Behring Breivik auf der norwegischen Insel Utøya 69 überwiegend junge Menschen tötete, hat dort erstmals wieder ein Sommerlager begonnen. "Es ist gut, wieder zu Hause zu sein", sagte der Chef der Jugendorganisation der norwegischen Arbeiterpartei (AUF), Mani Hussaini. "Der 22. Juli wird immer ein Teil der Geschichte der Insel sein, aber der wichtigste Teil der Geschichte ist noch nicht erzählt. Denn der liegt in der Zukunft." Seine Rede rührte einige Teilnehmer zu Tränen.

Viele Teilnehmer wollten sich von den düsteren Ereignissen der Vergangenheit und den Regenwolken über der Insel jedoch nicht die Stimmung verderben lassen. "Ich bin hier, um ein schönes Sommerlager zu erleben und Spaß zu haben", sagte die 21-jährige Iris Sandholt aus Troms. Natürlich sei es speziell, auf Utøya zu sein, aber am Abend im Zelt habe man nicht über die Anschläge gesprochen.

"Gute Erinnerungen schaffen"

Selbst die, die das Massaker überlebt haben und bereit sind, mit der Presse zu sprechen, vermeiden es, Emotionen hochkommen zu lassen. "Natürlich steckt diese Insel voller Erinnerungen, gute wie schlechte, und was wir jetzt versuchen, ist, mehr gute Erinnerungen zu schaffen", sagt Ragnhild Kaski, die inzwischen Generalsekretärin der AUF ist.

Die ehemalige norwegische Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland sagte in ihrer Ansprache, sie erinnere sich sehr gut an den "schrecklichen Tag" vor vier Jahren. Sie war das Ziel von Breivik gewesen, hatte die Insel aber vor seiner Ankunft verlassen.

"Utøya hat jetzt eine dunkle Seite bekommen, aber die allermeisten Seiten in ihrer Geschichte sind hell und die sollen jetzt leuchten", sagt die 23-Jährige Emilie Bersaas, die heute stellvertretende Vorsitzende der AUF ist. Zurück denkt sie nicht gern: "Ich war damals auf dem Zeltplatz, als alles begann", erzählt sie nur zögerlich. "Ich versteckte mich dann in der Schulstube, bis ich von der Polizei geholt wurde."

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Utøya: Die Überlebenden
Auch der frühere Parteivorsitzende der Sozialdemokraten und ehemalige Ministerpräsident Jens Stoltenberg kam am Vorabend auf die Insel. "Es ist ein großer Kontrast zwischen den Jugendlichen, die so viel Freude und Lebenskraft ausdrücken und dem Utøya, das mit dem 22. Juli verbunden ist, mit Trauer, Verlust und Tod", sagte der jetzige Nato-Chef dem norwegischen Rundfunk.

kis/apr/dpa



insgesamt 11 Beiträge
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Seite 1
Manitou-01@gmx.de 08.08.2015
1.
Es ist gut, daß die sozialdemokratische Jugend daß Zeltlager wieder durchführt. Nur durch die Rückkehr der Jugendlichen konnte dieser Ort dem Terror-Faschisten wieder weggenommen werden. Denn nur, wenn dort wieder junge Leute unbeschwerte Ferientage verbringen, haben Freiheit und Demokratie über die Gewalt gesiegt.
herrdainersinne 08.08.2015
2. Was erwartet man......
...... von Teenagern in der Pupertät ? Bei diesem Sommerlager werden Speed-Datings veranstaltet, es gibt eine Art "Love-Route" um miteinander intim werden zu können. --- Da interessiert sich doch keiner mehr für ein Jahre zurückliegendes Attentat. Das ist eher was für die Presse.
jamguy 08.08.2015
3. Einzigartig!
Ich bin mir sicher das das nie wieder passiert!
BlackRainbow666 08.08.2015
4.
Gibt es besondere Sicherheitsvorkehrungen? Wenn man das so an die große Glocke hängt, dass es in der Presse steht, fordert das evtl. Nachahmer heraus.
Hochbeet 08.08.2015
5. Sehr gut!
Soll der christlich-fundamentalistische Terrorist in seiner Klinik vor Wut kochen, dass andere Freude und Zukunft haben, wo er nur Hass und Dunkelheit empfindet.
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