Mordfall Sophia L. Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft

Warum musste Sophia L. sterben? Im Prozess um den Tod der Tramperin haben Anklage und Verteidigung mehrjährige Haftstrafen gefordert. Strittig bleibt der genaue Ablauf der Tat.

Angeklagter im Landgericht Bayreuth: Boujemaa L. hat gestanden, die Tramperin Sophia L. getötet zu haben (Archiv)
Daniel Karmann/DPA

Angeklagter im Landgericht Bayreuth: Boujemaa L. hat gestanden, die Tramperin Sophia L. getötet zu haben (Archiv)


Im Prozess um die getötete Tramperin Sophia L. hat die Staatsanwaltschaft für eine lebenslange Haftstrafe des angeklagten Fernfahrers wegen Mordes und gefährlicher Körperverletzung plädiert. Der Anwalt der Eltern schloss sich vor dem Landgericht Bayreuth der Forderung an. Er wies darüber hinaus auf eine besondere Schwere der Schuld hin.

Der Verteidiger des 42-jährigen Marokkaners sagte: "Der Angeklagte hat große Schuld auf sich geladen." Er sprach sich für eine mehrjährige Haftstrafe wegen Totschlags aus.

Sophia L. hatte vor gut einem Jahr von Leipzig in Richtung Nürnberg trampen wollen. Von dort wollte sie nach Aussage ihres Bruders per S-Bahn zu ihrer Familie nach Amberg in der Oberpfalz fahren. Dort kam die 28-Jährige nie an.

Der Anklage zufolge ermordete der Fernfahrer die Tramperin, um eine Sexualstraftat zu verdecken. Ihre Leiche wurde in einem Straßengraben in Spanien entdeckt. (Lesen Sie hier, welche Vorwürfe der Bruder von Sophia L. gegen die Polizei erhebt.)

Strittig waren in dem Verfahren der genaue Ablauf der Ereignisse und das Motiv des Angeklagten: Die Staatsanwaltschaft argumentierte, er habe ihre Zurückweisung nicht ertragen und sie deshalb mit einem Radmutterschlüssel schwer verletzt. Um die Verletzungen zu vertuschen, habe er sie noch am Abend der Abfahrt erschlagen.

Doch gerade der Todeszeitpunkt blieb offen: Während die Eltern und der Bruder an einen späteren Zeitpunkt glauben, starb Sophia L. aus Sicht des Verteidigers schon bei den ersten Schlägen.

Der Angeklagte hatte zu Prozessauftakt gestanden, die junge Frau im Juni vergangenen Jahres mitgenommen und mit einem Eisenrohr getötet zu haben. Ein Sexualdelikt bestritt er jedoch. Er gab an, sie noch am Abend der Abfahrt im Streit versehentlich erschlagen zu haben.

Die Obduktion lasse zum Todeszeitpunkt der Studentin nur "grobe Schätzungen" zu, sagte ein Rechtsmediziner während des Prozesses. Er ging davon aus, dass Sophia L. wenige Stunden nach Abfahrt oder einen Tag später ums Leben kam. Nach seiner Einschätzung wurde L. schon nach den ersten Schlägen auf den Kopf bewusstlos, starb und wurde dann erst gefesselt. (Lesen Sie hier: Die zwei Versionen zum Tod von Sophia L. - was der Angeklagte genau zu der Tat aussagte.)

sen/dpa/AFP



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