Bericht zu Missbrauchsskandal US-Baptisten wollten Opfer zum Schweigen bringen

Hunderte Kinder und Jugendliche wurden in baptistischen Gemeinden der USA sexuell missbraucht. Nun legt ein Bericht offen, dass Führungskräfte über Jahre hinweg versucht haben, die Vorwürfe zu vertuschen.
Zentrale der Southern Baptist Convention in Nashville

Zentrale der Southern Baptist Convention in Nashville

Foto: Mark Humphrey / AP

Vor drei Jahren hat ein Missbrauchsskandal in der Southern Baptist Convention, der größten protestantischen Konfession der USA, das Land erschüttert. Der »Houston Chronicle« und die »San Antonio Express-News« hatten aufgedeckt, dass mehr als 700 Kinder und Jugendliche von Priestern und Kirchenmitarbeitern über Jahre hinweg missbraucht wurden.

Nun legt ein neuer Bericht offen, dass Führungskräfte der Baptisten versucht haben, den Missbrauch zu vertuschen und Opfer zum Schweigen zu bringen. Überlebende und Anwälte, die wegen sexuellen Fehlverhaltens Alarm schlugen, waren mit »Widerstand, Ausflüchten und sogar offener Feindseligkeit« auf höchster Leitungsebene der Kirche konfrontiert, wie verschiedene US-Medien berichten, darunter die »New York Times« .

Im vergangenen Juni hatten die Delegierten auf die Berichte über die unzureichenden Reaktionen auf Anschuldigungen wegen sexuellen Missbrauchs reagiert. Sie beauftragten eine Firma namens Guidepost, um die Vorwürfe zu überprüfen, wie »The Atlantic« berichtet .

Opfer wurden ignoriert und diskreditiert

Mehrere hochrangige Führungskräfte wussten demnach über die Missbrauchsvorwürfe Bescheid, sie stellten sogar eine Liste mit Hunderten Beschuldigten zusammen, informierten aber niemanden darüber. Sie konzentrierten sich nicht darauf, den Opfern zu helfen, sondern darauf, Schaden von der Kirche abzuwenden, heißt es in dem 300-Seiten-Bericht . Offenbar war auch eine große Anzahl von Führungskräften selbst in Fehlverhalten verwickelt.

Opfer wurden ignoriert, diskreditiert und ihnen wurde gesagt, dass keine Maßnahmen ergriffen würden, weil dies die Autonomie der einzelnen Kirchen verletzen würde – »selbst wenn dies bedeutete, dass verurteilte Missbrauchstäter ihren Dienst ohne Benachrichtigung oder Warnung an ihre derzeitige Kirche oder Gemeinde fortsetzten«.

Die Southern Baptist Convention hat mehr als 13 Millionen Mitglieder in den USA.

kha/AFP/Reuters