Schmiergeldaffäre Spaniens Ex-König Juan Carlos will Spanien verlassen

Der unter Korruptionsverdacht stehende frühere spanische König Juan Carlos hat bekannt gegeben, das Land zu verlassen und ins Ausland zu gehen. Der Oberste Gerichtshof hatte zuvor Ermittlungen eingeleitet.
Der ehemalige König von Spanien, Juan Carlos, im Jahr 2018

Der ehemalige König von Spanien, Juan Carlos, im Jahr 2018

Foto: JAIME REINA/ AFP

Der wegen eines Skandals um angebliche Schmiergeldzahlungen und Justizermittlungen in Bedrängnis geratene spanische Ex-König Juan Carlos verlässt seine Heimat und zieht ins Ausland um. Das teilte der 82-Jährige seinem Sohn und Nachfolger Felipe VI. in einem vom Königshaus in Madrid  veröffentlichten Brief mit. In welchem Land Juan Carlos in Zukunft leben will, ließ er offen.

Mit seiner Entscheidung wolle er dazu beitragen, die Ausübung der Arbeit seines Sohnes als Staatschef zu erleichtern, "angesichts der öffentlichen Auswirkungen, die gewisse vergangene Ereignisse derzeit verursachen", schreibt Juan Carlos offenbar in Anspielung auf Ermittlungen der Justiz gegen ihn. "Es ist eine Entscheidung, die ich mit tiefen Gefühlen, aber mit großer Ruhe treffe", teilt der emeritierte König mit.

Die in Sachen Monarchie üblicherweise sehr gut informierte Tageszeitung "El Mundo" versicherte, die Entscheidung sei in erster Linie von Felipe getroffen worden. Das Königshaus habe Juan Carlos zum Verlassen Spaniens "gezwungen", so das Blatt. Die Affäre hatte dem Image Felipes und der spanischen Monarchie sehr geschadet. Die Rufe nach einer Abschaffung der Monarchie waren zuletzt immer lauter geworden.

Oberstes Gericht hatte Ermittlungen gegen Juan Carlos eingeleitet

Im Fall mutmaßlicher Schmiergeldzahlungen beim Bau einer Schnellbahnstrecke in Saudi-Arabien durch ein spanisches Konsortium hatte das Oberste Gericht in Madrid am 8. Juni Ermittlungen gegen Juan Carlos eingeleitet. Bei den Untersuchungen gehe es darum, die "strafrechtliche Relevanz der Taten abzugrenzen oder auszuschließen", die nach der Abdankung von Juan Carlos als König im Juni 2014 erfolgt seien, teilte die Staatsanwaltschaft am Obersten Gericht seinerzeit mit.

In der sogenannten "Affäre um den Wüsten-Zug" ermitteln die für Korruption und Wirtschaftsdelikte zuständigen Behörden schon seit 2018. Zehn Jahre zuvor soll Juan Carlos als Vermittler zwischen Scheichen und spanischen Firmen Schmiergeld in Höhe von 100 Millionen Dollar erhalten haben. Ans Licht kamen die mutmaßlich unsauberen Geschäfte aber erst zehn Jahre später, als Medien 2018 Aufnahmen eines Gesprächs veröffentlichten, bei dem dem Altkönig Korruption und Geldwäsche vorgeworfen wurde.

Juan Carlos will auch im Ausland mit Behörden kooperieren

Die für Wirtschaftsdelikte zuständigen Behörden nahmen bald Ermittlungen auf, die bis heute andauern. Für die knapp vier Jahrzehnte, die er König und Staatsoberhaupt von Spanien war (von November 1975 bis Juni 2014) genießt Juan Carlos zwar weiterhin Immunität. Für Delikte aber, die nach dem Thronverzicht begangen worden sein könnten, könnte er vom Obersten Gericht zur Rechenschaft gezogen werden.

Javier Sánchez-Junco Mans, Anwalt von Juan Carlos, erklärte, dass dieser unabhängig von seinem Wohnort auch weiterhin mit den Behörden wegen der Ermittlungen kooperieren werde.

bah/dpa/AFP/AP
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