Spurensuche im Internet FBI deckt Anschlagsplan gegen New Yorker Tunnel auf

Sie hatten es auf die wichtigsten Verkehrsadern New Yorks abgesehen. Islamistische Terroristen wollten nach Angaben einer US-Zeitung einen Tunnel in Manhattan sprengen und dadurch das Finanz-Viertel der Stadt überfluten. Doch das FBI kam den Männern auf die Schliche - in einem Internet-Chatroom.


New York - Ein Verdächtiger wurde offenbar bereits vor einem Monat im Libanon festgenommen. "In einem Verhör hat er zugegeben, dass er nach Pakistan reisen wollte, um dort vier Monate zu trainieren, und dass der Anschlag Ende des Jahres verübt werden sollte", teilte das libanesische Innenministerium mit. "Die Sicherheitsbehörden haben Amir al-Andalousi verhaftet, der ein Verdächtiger bei einem Anschlagsplan gegen einen Tunnel in New York ist", bestätigte eine Regierungsquelle in Beirut, sein wirklicher Name sei aber Assem Hammud. Die Gruppe soll Verbindungen zu dem Terrornetz al-Qaida gehabt haben. Wie weit die Pläne gediehen waren, ist bislang unklar.

Im Visier von Terroristen: Ein Polizist bewacht den Eingang des Holland Tunnels in New York
REUTERS

Im Visier von Terroristen: Ein Polizist bewacht den Eingang des Holland Tunnels in New York

Die Zeitung "Daily News" hatte zuerst von den Plänen berichtet - unter Berufung auf ungenannte Terrorfahnder. Bei der Explosion sollte nicht nur der Holland-Tunnel unter dem Hudson River zerstört, sondern auch eine Flutwelle ausgelöst werden. Diese, so die Hoffnung der Terroristen, sollte dann die Südspitze Manhattans mit der Wall Street überschwemmen, hieß es. Auf die Idee sei die Gruppe durch die Flutkatastrophe von New Orleans im vergangenen Jahr gekommen sein. In US-Sicherheitskreisen hieß es allerdings, die Anschlagspläne seien nicht auf Straßen-, sondern auf Bahntunnel gerichtet gewesen.

Inzwischen bestätigte das FBI und das Heimatschutzministerium die Terrorabsichten: "Wir haben ein Netzwerk gesprengt, das eine Attacke gegen das New Yorker Transportsystem geplant hat. Ein entscheidender Schritt war die Festnahme eines Hauptverdächtigen durch libanesische Behörden. Die Ermittlungen laufen." Das FBI teilte außerdem mit, dass zwei weitere Verdächtige im Ausland inhaftiert wurden.

Die Polizei soll den Extremisten durch den Austausch von Informationen in Internet-Chatrooms auf die Schliche gekommen sein. Es ist das zweite Mal, dass Ermittler einen Anschlagsplan früh vereiteln. Erst im vergangenen Monat wurden sieben Verdächtige verhaftet. Sie wollten einen Anschlag auf den Sears Tower in Chicago verüben.

"An der Geschichte ist eine Menge dran", sagte der Republikaner Peter King, der auch Mitglied im Ausschuss für Heimatschutz des US-Repräsentantenhauses ist. Mehr könne er zum dem Bericht nicht sagen, erklärte er im Fernsehsender CNN. "Aber ich kann bestätigen, dass es im Moment ernstzunehmende Pläne gibt, Anschläge gegen das New Yorker Verkehrssystem zu verüben."

Der New Yorker Senator Charles Schumer sagte in einer ersten Stellungnahme, es habe sich um ein Vorhaben im frühen Planungsstadium gehandelt. "Es gibt keine Beweise, dass jemals etwas Konkretes passiert ist, niemand hat Sprengstoff gekauft, und es wurden auch keine Gelder transferiert", sagte er.

Experten, die von den amerikanischen Medien zu den Plänen befragt wurden, bezeichneten es allerdings als unwahrscheinlich, dass der Terror-Plan funktioniert hätte. Zum einen sei der Tunnel durch Stahl und Beton mehrfach gesichert, zum anderen liege der Finanzdistrikt ein ganzes Stück höher als der Fluss.

Der 79 Jahre alte Holland-Tunnel verbindet Manhattan mit New Jersey. Nach Angaben der zuständigen New Yorker Tunnelbehörde fahren jedes Jahr mehr als 30 Millionen Fahrzeuge durch die Röhren und dem Hudson River hindurch.

Fernsehreporter berichteten, dass die Bewachung verstärkt worden sei. Die Tunnel werden von der Polizei seit langem zu den meistgefährdeten Zielen gerechnet. Schon 1993 hatte das FBI einen Terroristenring ausgehoben, der Bombenanschläge auf zwei New Yorker Autotunnel geplant hatte.

Bereits Anfang des Jahres waren zwei Sudanesen zu Haftstrafen von 30 und 25 Jahren verurteilt worden. Sie hatten geplant, Bomben in zwei Tunneln unter dem Hudson River zu zünden.

aki/ffr/dpa/reuters



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