Dachauer Todesschütze Staatsanwaltschaft fordert lebenslänglich

Rudolf U. ist wegen Mordes und dreifachen Mordversuchs angeklagt. Der 55-Jährige hat gestanden, im Amtsgericht Dachau einen jungen Staatsanwalt erschossen zu haben. Für die Tat soll er nach dem Willen der Anklage lebenslang ins Gefängnis.

Angeklagter U.: Prozess nach Beinamputationen im Krankenbett verfolgt
DPA

Angeklagter U.: Prozess nach Beinamputationen im Krankenbett verfolgt


München - Im Prozess um den Todesschützen von Dachau hat die Staatsanwaltschaft eine lebenslange Haftstrafe gefordert. Der Angeklagte habe den jungen Staatsanwalt "kaltblütig ermordet", sagte Staatsanwältin Nicole Selzam vor dem Landgericht München. Der 55-Jährige habe die Tat auch eingeräumt - "allerdings ohne jede Einsicht und Reue". Wenn er die Möglichkeit dazu hätte, sei ein weiterer "Rachefeldzug gegen die Justiz" nicht auszuschließen. Selzam sprach von "absolutem Vernichtungswillen" und forderte eine Verurteilung wegen Mordes und versuchten Mordes.

"Der Angeklagte war bei dieser Tat voll schuldfähig", so die Staatsanwältin. Er habe sich "in krasser Eigensucht" über das Lebensrecht anderer hinweggesetzt. Er habe aus niederen Beweggründen gehandelt und die Wehrlosigkeit seiner Opfer ausgenutzt. Nur das Eingreifen von Zeugen habe verhindert, dass er auch den Amtsrichter getötet hätte, sagte sie. Selzam verlangte in ihrem Plädoyer zudem, die besondere Schwere der Schuld festzustellen. Damit ist eine vorzeitige Entlassung aus der Haft nach 15 Jahren kaum möglich.

Die Witwe des Opfers wandte sich im Gerichtssaal direkt an den Angeklagten. "Es gibt keine Rechtfertigung für das, was Sie getan haben", sagte die Amerikanerin. Die vergangenen Monate seien unerträglich gewesen. "Mit den Entscheidungen, die Sie getroffen haben, haben Sie mein Leben ruiniert." Die Familienangehörigen treten in dem Prozess als Nebenkläger auf.

U. bat die Familie des Opfers in seinem Schlusswort um Entschuldigung. Er wolle mitteilen, "dass es mir leidtut als Mensch", sagte der 55-Jährige. "Ich kann nicht mehr sagen." Sein Pflichtverteidiger Wilfried Eysell plädierte dafür, seinen Mandanten wegen Mordes und versuchten Mordes in einem statt in drei Fällen zu verurteilen und von der Feststellung der besonderen Schwere der Schuld abzusehen. Eysell sagte, der Angeklagte sei "kein herzloses Monster".

Zuvor war die Verteidigung mit einem Befangenheitsantrag gegen das Gericht gescheitert. Es liege kein Verfahrenshindernis vor, sagte der Vorsitzende Richter Martin Rieder. Zudem hatte die Verteidigung ein weiteres psychologisches Gutachten gefordert. Dies sei jedoch nicht erforderlich, so Rieder. Gutachter Henning Saß sei ein renommierter Sachverständiger. Saß hatte den geständigen Angeklagten für schuldfähig erklärt.

U. hatte vor elf Monaten im Amtsgericht Dachau einen jungen Staatsanwalt erschossen. Der Mann hatte sich vor dem Dachauer Amtsgericht wegen nicht bezahlter Sozialversicherungsbeiträge verantworten müssen. Im Prozess gestand der Angeklagte, er habe den Staatsanwalt und den Richter aus Wut über mehrere verlorene Gerichtsverfahren erschießen wollen.

wit/dapd/dpa

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