Vorstoß Standesbeamte wollen auch Scheidungen vornehmen

Standesbeamte könnten künftig nicht nur Ehen besiegeln, sondern auch Scheidungen vollziehen. Nicht in allen Fällen müsse ein Familiengericht eingeschaltet werden, sagen sie. Juristen sind allerdings skeptisch.

Die Standesbeamten in Deutschland wollen künftig Scheidungen im Schnellverfahren ermöglichen. Dies würde Fälle betreffen, in denen es um einvernehmliche Trennungen von kinderlosen Ehepaaren geht, die ein solches Verfahren wünschen. Der Bundesverband der Deutschen Standesbeamten (BDS) präsentierte einen entsprechenden Vorschlag.

Es sei nicht immer zwingend erforderlich, ein Familiengericht einzuschalten, sagte Verbandspräsident Jürgen Rast. Durch die Verlagerung der unkomplizierten Fälle könnten die Gerichte entlastet werden.

Betroffene Eheleute würden mit Scheidungen in der Amtsstube Zeit, Geld und Nerven sparen. Die Trennung auf üblichem Wege vor Gericht koste schnell ein paar tausend Euro - der Verwaltungsakt im Standesamt nur einen Bruchteil, sagte Rast.

Zweifel bei Juristen

"Italien, Russland, Portugal und Spanien sind da schon weiter als wir in Deutschland", sagte Rast, der auch Verbandspräsident der Europäischen Vereinigung der Standesbeamten ist.

Juristen zweifeln aber an der Umsetzbarkeit des Vorschlags. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass sich an der aktuellen Gesetzgebung so schnell etwas ändern wird", sagte die Familienrechtlerin Esther Groß-Roder aus Fulda.

Selbst bei vielen Trennungen, die zunächst unkompliziert erschienen, ergäben sich in der Praxis immer wieder Streitpunkte. Wenn es um Feinheiten wie den Versorgungsausgleich und den Zugewinnausgleich unter Eheleuten gehe, werde es knifflig. Groß-Roder schätzt, dass weniger als zehn Prozent der Scheidungen für dieses Schnellverfahren infrage käme.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes werden etwa 35 Prozent aller in einem Jahr geschlossenen Ehen im Laufe der folgenden 25 Jahre geschieden. Im vergangenen Jahr gab es mehr als 166.000 Scheidungen in Deutschland.

wit/dpa
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