Verteidiger von Saddam Hussein Staranwalt Jacques Vergès gestorben

Saddam Hussein, Klaus Barbie oder "Carlos": Der französische Strafverteidiger Jacques Vergès verbrachte einen Großteil seiner Arbeitszeit neben Diktatoren, Mördern und Terroristen. Jetzt ist er tot und nimmt zahlreiche Geheimnisse mit ins Grab.

Paris - Als "Anwalt des Teufels" wurde Jacques Vergès berühmt - jetzt ist der Strafverteidiger im Alter von vermutlich 88 Jahren in Paris gestorben. Vergès hatte in seiner Laufbahn diverse Kriegsverbrecher und Terroristen vertreten und sich damit einen Namen gemacht.

Vergès verteidigte unter anderem den gestürzten irakischen Diktator Saddam Hussein, den Top-Terroristen "Carlos" und den früheren Gestapo-Chef von Lyon, Klaus Barbie. Tatsächliche oder mutmaßliche Terroristen, Kriegsverbrecher sowie berüchtigte Serienmörder vertrauten dem "Mann der unmöglichen Prozesse".

Viele Einzelheiten aus Vergès' Leben gelten bis heute als mysteriös. Wann genau er geboren wurde und ob in Thailand oder in Laos, ist ebenso unklar wie der Grund für sein geheimnisvolles achtjähriges Verschwinden in den siebziger Jahren. Es gab sogar Gerüchte, wonach er in dieser Zeit dem kambodschanischen Völkermörder Pol Pot gedient habe oder aber dem Geheimdienst KGB in Moskau. Er selbst sprach immer nur von einem "großen Urlaub". Maître Vergès liebte Provokationen, Schlagzeilen, die Gerüchte um seine Person und Havanna-Zigarren.

Gaullist, Stalinist, Drittwelt-Kämpfer und Nichtwähler

"Ich pflege meinen eigenen Kult", offenbarte der Anwalt einmal. In seinem Leben war er Gaullist, Stalinist, Drittwelt-Kämpfer und Nichtwähler. 1942 kam er nach London, um sich 17-jährig den Truppen des "Freien Frankreich" anzuschließen. Nach Kriegsende trat Vergès in die Kommunistische Partei ein, die er 1957 wieder verließ, und studierte Jura und Geschichte.

Vergès' Mandanten gefiel das Geheimnisvolle wohl ebenso wie sein juristisches Talent. Neben Hussein, Barbie und "Carlos" verteidigte er auch palästinensische Terroristen, den ehemaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag sowie Angeklagte aus dem Umfeld der Rote Armee Fraktion (RAF). "Ich hätte auch Hitler verteidigt", sagte Vergès immer wieder.

Als Verteidiger suchte er stets die Konfrontation und machte sich mit seiner provokativen Art viele Feinde. Im Barbie-Prozess zum Beispiel berichteten Widerstandskämpfer vom Lächeln des Gestapo-Chefs beim Foltern - Vergès erwiderte, dies sei ein Zeichen für dessen "Höflichkeit" gewesen.

"Er war ein umstrittener, aber gleichzeitig bewunderter Mann", kommentierte der Präsident der französischen Anwaltsvereinigung, Christian Charrière-Bournazel. Seine Unabhängigkeit, sein Mut und sein Talent hätten beeindruckt.

Vergès war nach Angaben Charrière-Bournazels vor einiger Zeit gestürzt und hatte sich davon nicht mehr erholt. Nach Angaben des Verlags Pierre-Guillaume, der im Februar die Memoiren des Anwalts veröffentlicht hatte, starb Vergès an einem Herzstillstand.

rls/dpa