Sturm auf Starnberger Wache Polizei rief Verstärkung aus allen umliegenden Stationen

Dutzende Schüler wollten in Starnberg eine Polizeiwache stürmen, nachdem ein Jugendlicher festgenommen wurde. Ein Sprecher schildert die Abläufe der Nacht.

Die Polizeiinspektion in Starnberg.
Marc Müller/ DPA

Die Polizeiinspektion in Starnberg.


Der Elternbeirat hatte die Party organisiert. In Bayern beginnen an diesem Freitag die Sommerferien - und auch Schüler, Ehemalige, Eltern und Lehrer im oberbayerischen Gymnasium Starnberg wollten gemeinsam das Ende des Schuljahres feiern. Dass das Schuljahr nicht nur mit einem Fest, sondern auch mit Festnahmen enden würde, damit hatten die Eltern vermutlich nicht gerechnet.

Eine Gruppe Schüler hatte in der vergangenen Nacht versucht, die örtliche Polizeiwache zu stürmen. Sie wollten einen Mitschüler befreien, der auf dem Fest von der Polizei festgenommen worden war.

Der 15-Jährige hatte am Rande des Schulfestes randaliert, deshalb rief ein Aufpasser die Polizei. Die Security hatten dem Jungen den Eintritt verwehrt, da er kein Schüler des Gymnasiums sein soll. Der Jugendliche weigerte sich trotz eines Platzverweises, sich von dem Fest zu entfernen. Er wurde aggressiv, bepöbelte und beleidigte die Beamten. Diese entschieden, ihn in Gewahrsam zu nehmen. Offenbar versuchten schon zu diesem Zeitpunkt einige Jugendliche zu verhindern, dass ihr Freund mitgenommen wurde.

Starnberg hat etwas mehr als 20.000 Einwohner. Das Polizeirevier liegt nicht weit von der Schule entfernt. "Fußläufig", sagt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord. Bis zu hundert Jugendliche zogen wohl los, ihren Freund zu befreien.

"Etwa 30 bis 40 Schüler haben aktiv versucht, in die Polizeiwache einzudringen", sagt der Polizeisprecher. Sie schmissen demnach Steine gegen die Fenster, traten gegen die Eingangstür und versuchten, ein Hinweisschild abzureißen. Eine Scheibe sei gebrochen, die Tür lädiert, das Schild steht laut dem Sprecher noch: "Wenn wir in Bayern etwas verschrauben, dann hält das auch".

Die Polizei will keine Angaben darüber machen, wie viele Polizeibeamte sich zum Zeitpunkt des Angriffs in der Wache aufgehalten haben sollen - aber zu wenige waren es wohl. "Es wurde Verstärkung aus allen umliegenden Stationen angefordert", sagt der Sprecher. 70 Polizeibeamte versuchten, die aufgebrachten Jugendlichen zu beruhigen.

Die Polizei hat nun Ermittlungen aufgenommen: wegen Landfriedensbruchs, versuchter Gefangenenbefreiung, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und versuchter gefährlicher Körperverletzung - denn ein Jugendlicher soll versucht haben, einem Polizisten gegen den Kopf zu treten.

Der Schulleiter des Gymnasium Starnberg, Josef Parsch, sagte der "Süddeutschen Zeitung", dass er davon ausgehe, dass der randalierende Jugendliche und ein großer Teil seiner Unterstützer nicht das Gymnasium besuchen. Die Schüler des Gymnasiums sollen trotzdem einen Entschuldigungsbrief an die Polizei verfasst haben.

Parallel zum Sommerfest des Gymnasiums Starnberg trafen sich der "Süddeutschen Zeitung" zufolge Jugendliche vor dem Eingang des Gymnasiums. Darunter waren viele Schüler, aber auch Freunde und Bekannte.

Zwei Schüler wurden zwischenzeitlich festgenommen. Zudem seien die Personalien von einigen anderen aufgenommen worden. Bei einer so großen Menge Tatverdächtiger werde es wohl nicht ganz einfach, die Verantwortlichen zu identifizieren, sagt der Polizeisprecher. Bei dem 15-Jährigen fiel ein Alkohol- und Drogentest positiv aus, derzeit befindet er sich im Krankenhaus. Zurück bei seinen Eltern soll er über Kopfschmerzen geklagt haben.

muk

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