Bolschoi-Theater Startänzer gesteht Auftrag für Säureattacke auf Ballettchef

Ein Solist des Moskauer Bolschoi-Balletts hat den Behörden zufolge gestanden, einen Säureanschlag auf den Ballettchef Sergej Filin in Auftrag gegeben zu haben. Das angebliche Motiv von Pawel Dmitritschenko: "persönliche Feindschaft".

AFP/Bolshoi Theatre/Damir Yusupov

Moskau - Ein umjubelter Startänzer des Moskauer Bolschoi-Theaters soll der Drahtzieher des Attentats auf Ballettchef Sergej Filin gewesen sein. Solist Pawel Dmitritschenko, der zuletzt die Titelrolle in "Iwan der Schreckliche" tanzte, habe aus "persönlicher Feindschaft" gehandelt, teilte die Moskauer Polizei am Mittwoch mit.

Während Dmitritschenko als mutmaßlicher Auftraggeber gilt, soll der ebenfalls geständige 35-jährige Jurij Saruzki die Tat durchgeführt haben. Der ehemalige Häftling wurde laut Behördenangaben in Twer, rund 160 Kilometer von der Hauptstadt Moskau entfernt, aufgegriffen. Ein Mann namens Andrej Lipatow habe Saruzki zum Tatort gefahren, hieß es. Den drei Tatverdächtigen drohte wegen schwerer Körperverletzung bis zu zwölf Jahre Haft. Sie waren am Vortag festgenommen worden. Die Ermittlungen zu den Vorgängen vom 17. Januar würden fortgesetzt, so die Polizei.

2002 schloss Dmitrischenko die Staatliche Moskauer Akademie für Choreografie ab und wurde sofort danach in die Truppe des weltberühmten Bolschoi-Theaters aufgenommen. 2005 schloss er eine weitere Ausbildung als Choreograf ab. Er war in mehreren Hauptrollen zu sehen. Russische Medien nannten als Motiv, dass der mächtige Filin Dmitritschenkos Lebensgefährtin Angelina Woronzowa deren Traumrolle in "Schwanensee" verwehrt habe.

Die Polizei hatte am Dienstag eine Hausdurchsuchung bei Dmitrischenko durchgeführt. Den Tänzer selbst trafen sie allerdings nicht an. Seine Mutter erklärte den Ermittlern, ihr Sohn würde nicht dort leben, wo er gemeldet sei. Auch Anrufe beantwortet der Tänzer offenbar nicht. Wo er letztlich gestellt wurde, ist bisher nicht bekannt.

Ein vermummter Angreifer hatte Filin am 17. Januar mit Schwefelsäure Augen und Kopf verätzt. Der Ballettchef wird derzeit in Aachen behandelt. Auf seinem linken Auge könne er nach mehreren Operationen wieder einigermaßen gut sehen, berichtete die Regierungszeitung "Rossijskaja Gaseta". Filin werde aller Voraussicht nach nicht dauerhaft erblinden und vermutlich im Sommer wieder arbeiten können.

Filin hatte in Interviews mehrfach gesagt, er wisse, wer für den Angriff auf ihn verantwortlich sei. Der 42-Jährige nannte seine berufliche Position und Rivalitäten an dem Theater als Gründe für den Angriff.

ala/dpa

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