Statistik 70 Prozent der Haftstrafen werden zur Bewährung ausgesetzt

Ins Gefängnis kommen nur die wenigsten: Die von deutschen Gerichten verhängten Haftstrafen werden weit überwiegend zur Bewährung ausgesetzt. Überhaupt mussten von fast 900.000 Verurteilten gerade einmal 49.000 tatsächlich ins Gefängnis.


Wiesbaden - Nach der am Donnerstag veröffentlichten Strafverfolgungsstatistik wurden im vergangenen Jahr bundesweit 874.700 Personen wegen Verbrechen oder Vergehen rechtskräftig verurteilt. Das bedeutet einen Rückgang um drei Prozent gegenüber dem Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.

Von den insgesamt knapp 900.000 Verurteilten erhielten nur knapp 160.000 eine Freiheits- oder Jugendstrafe. Von diesen wurden wiederum 48.500 mit Strafen ohne Bewährung belegt. Bei weiteren 111.000 Verurteilten wurde die Strafe dagegen zur Bewährung ausgesetzt. Damit erhielten sieben von zehn der zu Freiheits- oder Jugendstrafe verurteilten Personen Gelegenheit, einen Gefängnisaufenthalt durch eine erfolgreiche Bewährungszeit noch zu vermeiden.

Am weitaus häufigsten verhängten die Gerichte jedoch Geldstrafen. Damit wurden im vergangenen Jahr allein 618.100 Angeklagte oder rund 71 Prozent aller Verurteilten in Deutschland belegt. Mit sogenannten Zuchtmitteln und Erziehungsmaßregeln nach Jugendstrafrecht (etwa Jugendarrest, Arbeitsauflagen oder Weisungen) ahndeten die Gerichte Straftaten von weiteren 97.000 Personen oder elf Prozent aller Verurteilten.

Das stärker am Erziehungsgedanken ausgerichtete Jugendstrafrecht kann auch für Heranwachsende unter 21 Jahren angewendet werden, wenn das Gericht eine verzögerte Reife feststellt. Nach der Statistik kam 2008 bei annähernd zwei von drei verurteilten Heranwachsenden (63 Prozent) Jugendstrafrecht zur Anwendung.

Generell werden junge Menschen, bezogen auf ihren Anteil in der Bevölkerung, weitaus häufiger verurteilt als Ältere: Wie aus der Statistik hervorgeht, wurden Jugendliche 2008 fast doppelt so oft, Heranwachsende dreimal so oft verurteilt wie Erwachsene ab 21 Jahren.

Die Wahrscheinlichkeit einer Verurteilung ist demnach im Alter von Anfang bis Mitte 20 am höchsten. Danach geht sie kontinuierlich zurück. "Kriminalität bleibt somit in den überwiegenden Fällen eine Übergangserscheinung in der Lebensgeschichte", heißt es in der Mitteilung des Statistischen Bundesamts.

jdl/AP



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