Staufener Missbrauchsfall Ermittlungen gegen Jugendamts-Mitarbeiter eingestellt

Ein Junge wurde in Staufen bei Freiburg jahrelang missbraucht. Das Kind stand unter Aufsicht des Jugendamtes - der zuständige Mitarbeiter hat nun keine rechtlichen Folgen mehr zu befürchten.

Staufen bei Freiburg
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Staufen bei Freiburg


Die juristische Aufarbeitung eines möglichen Behördenversagens in einem der schwersten Fälle von Kindesmissbrauch in Baden-Württemberg ist zu Ende. Die Freiburger Staatsanwaltschaft teilte mit, dass die Ermittlungen gegen einen Jugendamtsmitarbeiter eingestellt wurden.

In Staufen bei Freiburg war ein Junge mehr als zwei Jahre lang missbraucht worden. Die Mutter und ihr Lebensgefährte boten das Kind im Darknet für Vergewaltigungen an und vergingen sich auch selbst an ihm. Die beiden Haupttäter und sechs Männer waren im vergangenen Jahr zu Haftstrafen verurteilt worden.

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In dem Fall ergaben die beteiligten Behörden kein gutes Bild ab. Richter, Polizei, ein Therapeut, eine Bewährungshelferin - sie alle hatten mit der Familie zu tun, trotzdem konnte der Missbrauch jahrelang stattfinden. Das Kind stand damals zudem unter Aufsicht des Jugendamtes. Warnhinweise einer Lehrerin und eines Schulleiters auf eine mögliche Gefährdung des Jungen versandeten.

Der Fall löste eine Debatte über mögliches Behörden- und Justizversagen aus. In der Folge waren mehrere Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft eingegangen, gegen Richterinnen und den zuständigen Beamten im Jugendamt. Eine Arbeitsgruppe kam zu dem Ergebnis, dass Informationen nicht schnell genug weitergegeben worden waren.

Nun teilte die Staatsanwaltschaft mit, dass keine Hinweise auf eine strafrechtliche Mitverantwortung des Beamten gefunden wurden. Dafür hätte dem Mann nachgewiesen werden müssen, dass sein Handeln ursächlich für die Taten gewesen sei. Etwa durch Unterlassen von "gebotenen Maßnahmen", die "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine konkrete Gefahr für das Kind hätte verhindert" hätten. Das lasse sich jedoch nicht belegen.

jpz/dpa



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