Steuerhinterziehung "Prinz Protz" wieder vor Gericht

Marcus Prinz von Anhalt fährt gerne mit teuren Edelkarossen vor - und setzt die Autos von der Steuer ab. Nun wird der Prozess gegen den selbst ernannten Rotlichtkönig neu verhandelt.

DPA

Weil er reihenweise Luxuskarossen wie einen Porsche 911 oder einen Rolls Royce von der Steuer absetzte, saß Marcus Prinz von Anhalt schon mehr als zwei Jahre in Untersuchungshaft. Doch der Bundesgerichtshof (BGH) hat die erste Verurteilung zu vier Jahren Haft gekippt, deshalb wird der Fall nun vom Landgericht Augsburg neu verhandelt.

Bereits zu Beginn des Prozesses kam es zur Konfrontation zwischen Justiz und Verteidigung, weil Rechtsanwalt Olaf Langhanki einen Befangenheitsantrag gegen alle drei Berufsrichter stellte. Seine Begründung: Richterin Singer und ihre Kollegen haben erst vor wenigen Wochen einen neuen Haftbefehl gegen den Angeklagten erlassen und in Kraft gesetzt. Das Münchner Oberlandesgericht setzte die U-Haft hingegen gegen Auflagen außer Vollzug und ließ den 49-Jährigen frei. Laut Langhanki sei ein faires Verfahren von der Augsburger Strafkammer nicht mehr zu erwarten. Über den Befangenheitsantrag wird das Landgericht voraussichtlich erst in der kommenden Woche entscheiden.

Geboren wurde Prinz von Anhalt unter dem Namen Marcus Eberhardt. Den adelig klingenden Namen hat er von Frederic Prinz von Anhalt gekauft.

Im Prozess geht es um etwa 800.000 Euro, die der Angeklagte an Steuern hinterzogen haben soll, indem er seine privaten Luxusautos als Geschäftswagen absetzte. Anhalt nennt sich selbst "Rotlichtkönig von Baden-Württemberg" und verteidigt seinen Edelfuhrpark. Er sei ein erfolgreicher Unternehmer und könne daher schlecht mit dem Fahrrad oder einem Kleinwagen bei Geschäftspartnern vorfahren. "Da kommt ein Ferrari schon besser."

Doch mit einem Freispruch kann Prinz von Anhalt in Augsburg wohl nicht rechnen. Der BGH bemängelte zwar, die erste Instanz habe nicht geprüft, ob die Flitzer nicht wenigstens teilweise auch zu geschäftlichen Zwecken eingesetzt wurden. Aber den Schuldspruch hielt auch das Gericht in Karlsruhe grundsätzlich für angemessen.

Verhandelt wird nun letztlich nur über den Steuerschaden und somit die Strafhöhe. Dafür sind 14 Prozesstage geplant, ein Urteil wird Ende Juli erwartet. Doch Verteidiger Langhanki kämpft weiter für einen Freispruch. Wegen der BGH-Entscheidung sei inzwischen eine Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingereicht worden, sagte er.

lba/Ulf Vogler, dpa



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