Stockholm Lkw rast in Menschengruppe - Polizei spricht von Terrorverdacht

Ein Lkw ist in einer Stockholmer Fußgängerzone in eine Menschengruppe gefahren. Die Polizei spricht von Toten und Verletzten. Schwedens Ministerpräsident sagte, alles deute auf einen Terroranschlag hin.


Ein Lkw ist in einer Stockholmer Fußgängerzone erst in eine Menschengruppe und dann in ein Kaufhaus gerast. Die Polizei meldet mindestens drei Tote und mehrere Verletzte. Schwedische Medien melden, es seien auch Schüsse zu hören gewesen.

Die Hintergründe des Vorfalls sind unklar. Die Polizei spricht von Terrorverdacht. Medienberichten zufolge soll ein Verdächtiger festgenommen worden sein. Die Polizei stellte hingegen laut der Nachrichtenagentur Reuters klar, dass nach dem mutmaßlichen Anschlag noch niemand festgenommen worden sei. Im Stadtteil Kungsholmen auf der Straße Fridhemssplan fand offenbar eine Schießerei statt. Ob es einen Zusammenhang gibt, ist unklar.

Schwedens Regierung spricht im Zusammenhang mit dem Zwischenfall in Stockholm von einer Terrortat. "Schweden ist angegriffen worden. Alles deutet auf eine Terrortat hin", sagte Ministerpräsident Stefan Löfven dem schwedischen Fernsehen.

Der Vorfall ereignete sich laut Polizei in der Einkaufsstraße Drottninggatan in der schwedischen Hauptstadt. Der Lastwagen soll Berichten zufolge zunächst an der Kreuzung der beiden Einkaufsstraßen Drottninggatan und Kungsgatan in eine Menschenmenge gefahren sein. Anschließend habe er seine Fahrt fortgesetzt und sei in das Kaufhaus Åhléns gerast.

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Stockholm: Tote und Verletzte in der Innenstadt

Der LKW gehört offenbar der Brauerei Spendrups, der größten in Schweden. "Das ist eines unserer Lieferfahrzeuge. Während der Fahrer am Restaurant Caliente ausgeladen hat, ist jemand in die Fahrerkabine gesprungen und losgefahren", wird der Pressesprecher der Brauerei, Marten Lyth, gegenüber der Nachrichtenagentur TT zitiert.

Wie viele Personen verletzt wurden, ist unklar. Der Bereich wurde von der Polizei abgesperrt. Auf Bildern ist zu sehen, wie Rauch aus dem Kaufhaus aufsteigt. Der U-Bahn-Verkehr wurde eingestellt. Außerdem ordnete die Polizei die Evakuierung des Hauptbahnhofes an. Polizeihubschrauber kreisten über dem Zentrum, schwerbewaffnete Polizisten hätten Stellung bezogen.

Die schwedischen Sicherheitsbehörden haben Medienberichte zufolge wichtige Gebäude in der Innenstadt abgeriegelt. Der Gebäudekomplex Rosenbad, Sitz der schwedischen Regierung, das Parlamentsgebäude und das Königsschloss sind demnach von der Polizei abgesperrt worden.

Wie SPIEGEL-Reporter Nils Reise berichtet, fordert die Polizei Menschen auf, die Innenstadt zu verlassen: "Hier ist es nicht sicher." Diese Mitteilung wird auch auf Englisch von Polizisten per Megafon auf den Straßen gegeben. Das Auswärtige Amt riet Reisenden, vorerst in ihren Unterkünften zu bleiben. Sie sollten die Entwicklung der Lage über die Medien verfolgen und auf weitere Sicherheitshinweise achten, teilte die Behörde mit. Zudem solle den Anweisungen der Sicherheitskräfte unbedingt Folge geleistet werden.

Ein Reporter des schwedischen Fernsehsenders SVT berichtet von einem Brand auf der Einkaufsstraße und völligem Chaos. Durch die Stadt fahre ein Polizeiwagen, aus dem Beamte "Warnung vor einer Terrortat" riefen. Ärzte seien vor Ort angekommen, um sich um die Verletzten zu kümmern. Auf Twitter zeigen Nutzer Aufnahmen aus der Innenstadt, auf denen fliehende Menschen und eine Rauchwolke über dem Einkaufszentrum zu sehen ist.

Die schwedische Nachrichtenagentur TT berichtet, mehrere Verletzte seien in Krankenwagen vom Ort des Geschehens weggebracht worden. Ein Augenzeuge sagte der Zeitung "Aftonbladet", er sei in einem Schuhgeschäft gewesen und habe ein Geräusch gehört. Dann hätten die Menschen angefangen zu schreien: "Ich schaute aus dem Geschäft hinaus und sah einen großen Lastwagen."

Ein Mann, der in dem Kaufhaus war, sagte dem schwedischen Radio: "Ich war auf dem Weg zum Ausgang und sah, wie die Wand wie eine Lawine auf uns zukam. Die Menschen haben sich in Panik umgedreht und sind zu den Ausgängen gerannt." Sein erster Gedanke sei gewesen, dass eine Bombe explodiert sei. "Als ich aus dem Gebäude herauskam sah ich, dass Flammen herausschlugen."

cnn/Reuters/AP/dpa

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