Strafbefehl Ernst August soll 100.000 Euro wegen Beleidigung zahlen

Weil er einen Journalisten mit vulgären Ausdrücken bedacht und seine Bodyguards auf ihn gehetzt haben soll, hat die Staatsanwaltschaft Hannover einen Strafbefehl gegen Welfen-Chef Ernst August beantragt. Der Prinz hat sich zu den Vorwürfen bislang nicht geäußert.


Ernst August Prinz von Hannover: Erneuter Ärger mit der Justiz
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Ernst August Prinz von Hannover: Erneuter Ärger mit der Justiz

Hannover - Wie die Staatsanwaltschaft heute in Hannover mitteilte, soll Ernst August 2003 auf einer Feier zum 100. Geburtstag von Konrad Lorenz im österreichischen Grünau einen Redakteur beschimpft haben. Doch damit nicht genug: Den Angaben zufolge soll der Welfenprinz seinen Leibwächtern zudem befohlen haben, den betreffenden Journalisten aus dem Festzelt zu entfernen, was diese mit erheblicher Brutalität getan hätten. Der Mann soll zahlreiche Prellungen und eine Knieverletzung davongetragen haben. Wegen Beleidigung und Anstiftung zur Nötigung hat die Staatsanwaltschaft jetzt beim Amtsgericht im niedersächsischen Springe einen Strafbefehl in Höhe von 40 Tagessätzen beantragt, der einem Gutsverwalter des Prinzen bereits zugestellt worden sein soll. Das Welfenhaus war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Zusammen mit dem Strafbefehl sei ein weiteres Ermittlungsverfahren gegen den Prinzen eingestellt worden. In dem zweiten Verfahren war Ernst August vorgeworfen worden, am Flughafen Hannover einem Bundesgrenzschutzbeamten den Hitlergruß gezeigt zu haben. Mit Blick auf die Beleidigung des Journalisten habe man diesen Vorwurf jedoch als nicht ins Gewicht fallend eingestuft, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Thomas Klinge.

Zu dem Vorfall im österreichischen Grünau habe sich Ernst August bislang nicht geäußert, obwohl man ihm Gelegenheit zu Stellungnahme gegeben habe, sagte der Sprecher weiter. Falls der Prinz gegen die Geldstrafe Einspruch einlege, müsse eine Gerichtsverhandlung stattfinden, in dem der Strafbefehl als Anklage fungiere.

Das Landgericht Hannover hatte Prinz Ernst August im vergangenen November bereits zu einer Geldstrafe von 445.000 Euro wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt, weil er einen Hotelier durch fünf Schläge mit einem Totschläger schwer verletzt hatte. Das Urteil wurde Ende Juni rechtskräftig, nachdem Ernst August die Revision beim Oberlandesgericht Celle zurückgezogen hatte. Ursprünglich waren drei Strafbefehle ergangen, gegen die Ernst August Einspruch eingelegt hatte. Das Gerichtsverfahren beschäftigte danach mehrere Instanzen.



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