Strafmilderung gefordert Anwalt von Klatten-Erpresser greift Justiz an

Sein Mandant werde "massiv vorverurteilt", beklagt der Anwalt des mutmaßlichen Klatten-Erpressers Sgarbi. Die Justiz habe Journalisten den kompletten Anklagesatz gegeben. Dies sei "ein einzigartiger Vorgang" und "sogar strafbar", sagte er dem SPIEGEL - das müsse im Urteil berücksichtigt werden.


Hamburg - Rund fünf Wochen vor Prozessbeginn gegen den mutmaßlichen Erpresser der Milliardärin Susanne Klatten, Helg Sgarbi, hat dessen Anwalt Egon Geis scharfe Kritik an der Medienpolitik der Münchener Justiz geübt. Dass die Pressestelle des für den Fall zuständigen Münchner Landgerichts I den kompletten Anklagesatz ohne Sperrfrist an Journalisten verteilt habe, sei ein "einzigartiger Vorgang" und in seinen Augen "sogar strafbar", sagte er dem SPIEGEL. Damit sei sein Mandant mit Hilfe des Gerichts durch die Medien "massiv vorverurteilt" worden. Dies müsse im Urteil mildernd berücksichtigt werden.

Helg Sgarbi: Der Gigolo soll vier vermögende Frauen erpresst haben
DER SPIEGEL

Helg Sgarbi: Der Gigolo soll vier vermögende Frauen erpresst haben

Zu einem möglichen Deal im Prozess äußerte sich Geis nicht. Spekulationen zufolge könnte Sgarbi einen Strafrabatt erhalten, wenn er mit einem frühen Geständnis den Opfern eine peinliche Zeugenaussage in öffentlicher Verhandlung erspart. Allerdings äußerte Geis, dass die Verbreitung immer neuer Details durchaus Auswirkungen auf den Prozess haben könne: "Ich schweige, was auch im Sinne der betroffenen Damen ist, andere dagegen pumpen immer mehr Informationen in die Öffentlichkeit."

Helg Sgarbi muss sich vor Gericht wegen vollendeten Betrugs, versuchten Betrugs und versuchter Erpressung verantworten. Durch geschicktes Umgarnen soll er insgesamt 9,4 Millionen Euro kassiert haben. Die Anklage stuft die Taten als "besonders schwere Fälle" ein. Der 43-Jährige soll sich das Vertrauen vier vermögender Frauen erschlichen und sie mit Fotos und Videos von intimen Treffen erpresst haben. Sgarbi soll versucht haben, alleine von Klatten bis zu 290 Millionen Euro zu erpressen. Die BMW-Großaktionärin gilt als reichste Frau Deutschlands, sie ist verheiratet und hat drei Kinder.

Der Angeklagte war am 14. Januar auf Grund einer Anzeige Klattens in Österreich festgenommen worden und wurde im März nach Deutschland ausgeliefert. Seitdem sitzt er im Münchner Gefängnis Stadelheim in Untersuchungshaft.

hei/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.