Frankreich Schüsse in Straßburg - Polizei spricht von Terror

In der Straßburger Innenstadt sind an mehreren Orten Schüsse gefallen. Mehrere Personen wurden getötet, etwa ein Dutzend verletzt. Die Polizei hat den Täter angeschossen. Sie geht von einem terroristischen Hintergrund aus.

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In der Innenstadt von Straßburg sind Schüsse gefallen. Behörden sprachen zunächst von zwei Toten und elf Verletzten.

Inzwischen ist die Zahl der Opfer gestiegen. Soldaten haben den mutmaßlichen Schützen angeschossen. Bei der Verfolgung des flüchtigen Verdächtigen sei es zu einem Feuergefecht gekommen, teilte die Polizei mit. Sie geht von einem terroristischen Hintergrund aus. Sicherheitskräfte haben den Verdächtigen mittlerweile in einem Gebäude umstellt.

Anti-Terror-Spezialisten der Pariser Staatsanwaltschaft haben die Ermittlungen übernommen. Die Untersuchung wurde unter anderem dem Inlandsgeheimdienst DGSI übergeben, wie Justizkreise der Deutschen Presse-Agentur in Paris bestätigten.

Bewohner sollen zu Hause bleiben

In einer Nachricht auf Twitter appellierte ein Mitarbeiter des Bürgermeisters an die Bewohner, ihre Wohnungen nicht zu verlassen. "Danke an alle, die zu Hause bleiben und auf die Klärung der Situation warten", schrieb Alain Fontanel. Das Pariser Innenministerium sprach ohne weitere Details von einem "schwerwiegenden Ereignis der öffentlichen Sicherheit".

Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron schickt nach dem schweren Angriff in Straßburg Innenminister Christophe Castaner in die elsässische Metropole. Castaner sagte am Abend, der Täter sei identifiziert und der Polizei wegen krimineller Aktivitäten bekannt.

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Frankreich: Tödliche Schüsse in Straßburg

Nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP galt der Täter als radikalisiert. Der Mann sei in der sogenannten Sicherheitsakte "Fiche S" geführt worden. Das ist eine Liste von Personen, die verdächtigt werden, radikalisiert zu sein.

Die französische Anti-Terrorstaatsanwaltschaft teilte mit, sie beobachte die Entwicklung laufend. Frankreich ist in der Vergangenheit von einer Welle islamistischen Terrors überzogen worden. Bei den folgenschwersten Attentaten starben im November 2015 in Paris 130 Menschen.

Schüsse am Weihnachtsmarkt

Die Schüsse in Straßburg fielen gegen 20 Uhr. Mehrere Orte in der Innenstadt waren betroffen, darunter die Rue des Orfèvres, die Rue des Grandes-Arcades und die Grand'Rue (Lange Straße). In der Nähe findet der Weihnachtsmarkt statt, einer der ältesten und größten Europas.

Laut "Dernières Nouvelles d'Alsace" findet zur Stunde eine Polizeioperation im Straßburger Stadtteil Neudorf statt. Augenzeugen berichten, dass mehrere Schüsse gefallen und Schreie zu hören seien. Der mutmaßliche Täter befindet sich in einem umstellten Gebäude. Offenbar steht ein Zugriff der Sicherheitskräfte bevor.

Die Polizei hat die Innenstadt rund um die Place Gutenberg abgesperrt. Überall in der Stadt waren Ambulanzen zu sehen, wie Anwohner berichteten.

Zudem sei das Gebäude des Europäischen Parlaments in Straßburg abgeriegelt worden, wie ein AFP-Reporter berichtete. Dort finden in dieser Woche Plenarsitzungen des Parlaments statt, Hunderte Abgeordnete und ihre Mitarbeiter halten sich deshalb in der Stadt auf. Wegen der polizeilichen Absperrung konnten Parlamentarier, Mitarbeiter und Journalisten das Gebäude am Abend zunächst nicht verlassen.

Die Bundespolizei in Baden-Württemberg warnt derzeit vor einem Grenzübertritt. "Sofern möglich vermeiden Sie bitte aktuell den Grenzübertritt im Bereich Kehl", schrieben die Behörden auf Twitter. Kehl liegt gegenüber von Straßburg auf der deutschen Seite des Rheins.

tin/dpa/AP/Reuters/AFP



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