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10. Dezember 2012, 20:53 Uhr

Gericht in New York

Strauss-Kahn einigt sich mit Zimmermädchen Diallo

Ex-IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn und das New Yorker Zimmermädchen Nafissatou Diallo haben ihren Rechtsstreit um eine angebliche Vergewaltigung beigelegt. Vor Gericht besiegelten sie ihre außergerichtliche Einigung. Wie hoch die Zahlungen ausfallen, ist geheim.

New York - Der frühere Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, hat eine Zivilklage wegen mutmaßlicher Vergewaltigung in den USA außergerichtlich beigelegt. Die Affäre um das Zimmermädchen endet damit eineinhalb Jahre nach seiner vorübergehenden Festnahme in den USA. Mit der außergerichtlichen Einigung vermeiden beide Seiten einen langwierigen Prozess.

Er hätte sich mit dem Zimmermädchen geeinigt, teilte ein Gericht in New York am Montag mit. Die Einzelheiten des Vergleichs, der kein Schuldeingeständnis Strauss-Kahns ist, seien "vertraulich".

"Die Vertreter beider Seiten haben vor zehn Minuten eine Einigung in meinem Richterzimmer unterzeichnet", sagte Richter Douglas McKeon. "Der Fall ist damit abgeschlossen", fügte er hinzu. Das gilt auch für Diallos Klage gegen die "New York Post". Die Zeitung hatte Diallo in Zusammenhang mit Prostitution gerückt. "Auch hier wurde eine Einigung erzielt", sagte McKeon. Einzelheiten nannte der Richter nicht. Es sei Vertraulichkeit vereinbart worden.

Diallo war bei der Anhörung anwesend, Strauss-Kahn ließ sich durch seine Anwälte vertreten. Das Zimmermädchen hat dem Franzosen vorgeworfen, sie im Mai 2011 in einem New Yorker Hotel sexuell belästigt zu haben. Wegen der Affäre trat Strauss-Kahn von der IWF-Spitze zurück und musste seine Hoffnungen auf die Präsidentschaftskandidatur für die französischen Sozialisten begraben.

Strafrechtlich ist der Fall der angeblichen Vergewaltigung nie vor Gericht verhandelt worden, weil im Zuge der Untersuchung schwere Zweifel an der Glaubwürdigkeit des 30 Jahre alten Zimmermädchens aufgekommen waren. Nach der Einstellung des Strafverfahrens hat sich für den Franzosen nun auch die im März begonnene zivilgerichtliche Auseinandersetzung gegen ihn erledigt.

Die französische Tageszeitung "Le Monde" hatte unter Berufung auf Vertraute Strauss-Kahns geschrieben, dass dieser dem Zimmermädchen sechs Millionen Dollar (4,6 Millionen Euro) zahlen wolle. Strauss-Kahns Anwälte wiesen diesen Bericht aber als "dramatisch inkorrekt" zurück. Diallo hatte eine Entschädigung in nicht genannter Höhe gefordert.

Die aus dem westafrikanischen Guinea stammende Diallo warf dem 63-jährigen Franzosen vor, dieser habe sie im Mai 2011 in einem New Yorker Luxushotel sexuell angegriffen und zum Oralsex gezwungen. Wegen der Affäre trat Strauss-Kahn von der Spitze des Internationalen Währungsfonds zurück und musste seine Hoffnungen auf die Präsidentschaftskandidatur der französischen Sozialisten begraben.

Richter McKeon sagte, dass er sich in den vergangenen Monaten um einen Vergleich bemüht habe. Ende November habe es dann die ersten ernsthaften Verhandlungen der Anwälte beider Seiten gegeben. Am Montag sei die Vereinbarung schließlich unterschrieben worden. "Ich danke allen, die mich unterstützen", sagte Diallo nach der Anhörung. "Ich danke Gott und Gott schütze Euch." Ihr Anwalt Kenneth Thompson erklärte, seine Mandantin sei nun froh, mit ihrem Leben weitermachen zu können.

In seiner Heimat droht Strauss-Kahn weiter juristisches Ungemach. Die französische Justiz ermittelt im Zusammenhang mit Sex-Partys wegen bandenmäßig organisierter Zuhälterei. Seine Verteidiger fordern die Einstellung des Verfahrens. Kommenden Mittwoch wird eine Entscheidung der französischen Justiz über den Antrag erwartet

Strauss-Kahn selbst war am Montag in Paris. Der Franzose wurde von mehreren Fotografen und Kamerateams auf einer Straße in der französischen Hauptstadt abgefangen. Ein Statement verweigerte der 63-Jährige.

mia/afp/dpa

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