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Studien zu Rassismus bei der Polizei Wenn Soziologen im Streifenwagen mitfahren

Wie rassistisch ist die Polizei? Dieser Frage gehen mehrere Forschungsteams in Bund und Ländern nach. Zum Teil mit ungewöhnlichen Methoden.
aus DER SPIEGEL 43/2021
Polizeieinsatz (Symbolbild)

Polizeieinsatz (Symbolbild)

Foto: Rupert Oberhäuser / IMAGO

Fast jede zweite Landesregierung lässt inzwischen zu möglichem Rassismus in den Reihen der eigenen Polizei forschen. Das ergab eine Umfrage des SPIEGEL unter den Innenministerien.

Demnach laufen in sieben Bundesländern entsprechende Studien oder sind in der Planung. Die Herangehensweise unterscheidet sich zum Teil erheblich: Baden-Württemberg, Hessen und Hamburg lassen Einstellungen Auszubildender oder aktiver Beamter abfragen.

In Niedersachsen verfolgen die Wissenschaftler einen ethnografischen Ansatz: Dort begleiten Soziologen die Beamtinnen und Beamten zehn Monate lang bei ihrer Arbeit, etwa bei der Tatortaufnahme oder im Streifendienst. So wollen sie Risikokonstellationen für Diskriminierung erkennen. Ähnlich wollen auch Berlin, Rheinland-Pfalz und Thüringen vor allem die Praxis untersuchen lassen.

Das Bundesinnenministerium hat zwei Studien in Auftrag gegeben: Ein Großprojekt befasst sich mit mög­licher Diskriminierung in Behörden. Im Mittelpunkt einer an­deren Studie namens »Megavo« steht eine On­line­befragung von allen rund 300.000 Polizeiangehörigen in Bund und Ländern.

Aus: DER SPIEGEL 43/2021

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Experten wie der Hamburger Polizeiforscher Rafael Behr halten Erhebungen über Onlinefragebogen auf diesem Feld nur für begrenzt aussagekräftig. »Doch es ist gut, dass überhaupt geforscht wird.« Eine ähnlich rege wissenschaft­liche Beschäftigung mit dem Thema habe es zuletzt in den Neunzigerjahren gegeben.

Das Projekt »Megavo« ist umstritten, weil es den Fokus nicht auf mögliche Ressentiments, sondern den Berufsalltag der Polizistinnen und Polizisten legt. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte eine Studie zu Rassismus in der Polizei stets abgelehnt. Entsprechende Vorbereitungen seines eigenen Ressorts hatte er gestoppt – und stattdessen eine Studie mit anderem Schwerpunkt in Auftrag gegeben.

In den vergangenen Jahren waren wiederholt Polizisten mit rechtsextremen Einstellungen aufgeflogen. Das nordrhein-westfälische Innenministerium hatte kürzlich mitgeteilt, ein entsprechender Verdacht habe sich in 53 Fällen bestätigt. Einem Lagebericht zufolge gab es in den vergangenen Jahren in den Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern etwa 380 Rechtsextremismus-Verdachtsfälle.

jpz
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