Nach Angriff in Stuttgart 54-Jähriger schwebt in Lebensgefahr

Auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart sind am Samstag drei Männer von bis zu 40 vermummten Tätern attackiert worden, ein 54-Jähriger schwebt in Lebensgefahr. Die Ermittler vermuten ein politisches Motiv.
"Querdenker"-Versammlung in Stuttgart: Polizei ermittelt im Fall einer Prügelattacke auf drei Männer, die zu der Demo wollten

"Querdenker"-Versammlung in Stuttgart: Polizei ermittelt im Fall einer Prügelattacke auf drei Männer, die zu der Demo wollten

Foto: 7aktuell.de Marc Gruber/ imago images/7aktuell

Es war ein brutaler Überfall. Am Samstagnachmittag um 14 Uhr haben bis zu 40 Täter drei Männer im Alter von 38, 45 und 54 Jahren auf dem Cannstatter Wasen in Stuttgart attackiert. Die Angreifer waren vermummt, schwarz gekleidet und mit Schlagringen ausgerüstet. Sie versetzten den Männern heftige Schläge und Tritte. Zwei der Geschädigten mussten von Rettungskräften ins Krankenhaus gebracht werden, der 54-Jährige schwebt laut Polizei in Lebensgefahr. 

Er und seine beiden Begleiter waren zur Tatzeit auf dem Weg zur "Querdenken 711"-Demonstration gewesen, bei der mehr als 5000 Menschen gegen die Corona-Maßnahmen protestierten. "Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren", sagt eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Stuttgart. Eine Ermittlungsgruppe mit 14 Beamten sei auf den Fall angesetzt worden. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen wegen des Verdachts auf ein versuchtes Tötungsdelikt aufgenommen. 

Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler soll es sich bei den Angreifern um Angehörige der linken Szene handeln. Die Polizei geht davon aus, dass die mutmaßlichen Täter gezielt den 54-Jährigen attackierten. Der lebensgefährlich verletzte Mann ist ein in Stuttgart bekannter Gewerkschafter. Er gehört dem Betriebsrat bei Daimler an und ist Mitglied der rechtsstehenden Arbeitnehmervertretung "Zentrum Automobil". Die Mini-Gewerkschaft ist seit Längerem im Visier der "Antifaschistischen Aktion" Stuttgart. 

Auch die "Querdenken 711"-Proteste sind bei der Antifa verhasst. Auf der Demo tummeln sich auch Rechtsextremisten, "Reichsbürger" und Antisemiten. Bereits im Vorfeld der Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen habe es in der linksextremistischen Szene "gezielte Mobilisierungsaufrufe" gegeben, sagt ein Sprecher des Landesverfassungsschutzes. 

In der Nacht auf Samstag waren im Stuttgarter Stadtteil Untertürkheim drei Lkw in Flammen aufgegangen, mit denen die Veranstaltungstechnik für den Corona-Protest auf den Cannstatter Wasen transportiert werden sollte. Am Rande der Demo sollen Teilnehmer immer wieder beleidigt und bedroht worden sein. 

Zum Zeitpunkt des Überfalls auf die drei Männer war auf dem Wasen viel Betrieb. Die Kriminalpolizei sucht Zeugen. Hinweise nehmen die Beamtinnen und Beamten unter der Nummer 0711-8990-5778 entgegen.