Erster öffentlicher Prozess Haftstrafe für jungen Randalierer nach Stuttgarter Krawallnacht

Nächtliche Ausschreitungen in Stuttgart lösten im Sommer eine bundesweite Debatte über Gewalt aus, nun fiel im ersten öffentlichen Prozess ein Urteil. Das Strafmaß dürfte alle Beteiligten überrascht haben.
Polizeieinsatz Ende Juni im Zentrum von Stuttgart: Nächtliche Ausschreitungen

Polizeieinsatz Ende Juni im Zentrum von Stuttgart: Nächtliche Ausschreitungen

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ARNULF HETTRICH/ imago images/Arnulf Hettrich

Etwa fünf Monate nach der Stuttgarter Krawallnacht ist ein junger Randalierer im ersten öffentlichen Prozess zu einer Jugendstrafe von zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden - wegen besonders schweren Landfriedensbruchs.

Der 18-Jährige räumte vor dem Amtsgericht in Stuttgart ein, während der nächtlichen Krawalle die Heckscheibe eines Polizeiautos eingeschlagen und zwei Seitenscheiben zertrümmert zu haben. Das Urteil liegt deutlich über den Forderungen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung, die sich für eine Bewährungsstrafe ausgesprochen hatten.

Anwalt Marc Reschke kündigte umgehend an, Berufung einzulegen. "Das Urteil ist nicht akzeptabel, mein Mandant ist entsetzt", sagte er. Die Tat sei zwar "eine große Dummheit" gewesen, die Strafe dafür aber unverhältnismäßig. Sie müsse nun als Richtschnur für die kommenden Verfahren zur Krawallnacht gesehen werden. Dagegen betonte Gerichtssprecherin Monika Rudolph, mit dem Urteil werde keineswegs ein Exempel statuiert.

"Ich habe mich da einfach mitgehen lassen, ich habe das gar nicht durchdacht"

Der Angeklagte im Prozess vor dem Jugendschöffengericht

"Ich habe mich da einfach mitgehen lassen, ich habe das gar nicht durchdacht", hatte der junge Mann aus Gaildorf im Kreis Schwäbisch Hall zuvor vor dem Jugendschöffengericht ausgesagt.

Im Juni hatten sich Dutzende vor allem junge Männer in der Stuttgarter Innenstadt Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. Es wurden mehrere Beamte verletzt und Schaufenster zerstört. Die Randale sorgte weit über Stuttgart hinaus für Schlagzeilen und hitzige Debatten. Als Folge vereinbarten Stadt und Land, vor allem in der Prävention und Überwachung enger zusammenzuarbeiten.

Die Polizei hat nach Angaben des Innenministeriums bislang 106 Tatverdächtige ermittelt. Davon sollen sich 100 unmittelbar an den Ausschreitungen beteiligt haben, sie sollen unter anderem Flaschen auf Einsatzkräfte geworfen, Schaufenster zertrümmert und Geschäfte geplündert haben.

Sechs weiteren wird vorgeworfen, geplünderte Gegenstände besessen oder zum Kauf angeboten zu haben. Gegen rund zwei Drittel der Tatverdächtigen seien Haftbefehle erwirkt worden, 19 dieser meist jungen Männer sitzen derzeit laut Ministerium in Untersuchungshaft.

Der jetzt verurteilte 18-Jährige war nicht der erste Angeklagte nach der nächtlichen Randale. Bereits Mitte Oktober stand ein damals 16-Jähriger aus Stuttgart vor dem Jugendschöffengericht des Amtsgerichts. Allerdings fand die Verhandlung wegen seines Alters unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, auch hielt sich das Gericht mit Details zum Angeklagten und seinen Taten zurück.

Am Nachmittag gab es ein weiteres Verfahren wegen der Krawallnacht. Auch der 19-jährige Angeklagte in diesem Verfahren soll eine Freiheitsstrafe antreten: Das Amtsgericht verurteilte ihn zu einer Jugendstrafe von zweieinhalb Jahren.

Auch in Frankfurt war es im Sommer zu Ausschreitungen gekommen. Im Juli hatten sich überwiegend junge Männer eine Massenschlägerei geliefert und Flaschen auf Polizisten geworfen. Damals wurden 39 Menschen festgenommen.

mxw/dpa
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