Nach Stuttgarter Krawallnacht Jeder zweite Verdächtige wiedererkannt – dank »Super-Recogniser«

Dutzende Randalierer konnten Ermittler nach der Stuttgarter Krawallnacht 2020 identifizieren. Als hilfreich erwiesen sich polizeiliche Super-Recogniser – Menschen mit außerordentlichem Gesichtsgedächtnis.
Polizeiaufgebot in Stuttgart im Juni 2020

Polizeiaufgebot in Stuttgart im Juni 2020

Foto: Simon Adomat/ dpa

Nach der Stuttgarter Krawallnacht im Sommer des vergangenen Jahres ist etwa jeder zweite der bislang rund 140 Tatverdächtigen von sogenannten Super-Recognisern der Polizei wiedererkannt worden. Diese Beamten und Ermittler haben die besondere Fähigkeit, Gesichter nicht vergessen oder Menschen auf noch so verschwommenen Fotos wiedererkennen zu können. So können sie Gesichter von Verdächtigen nicht nur auf Bildern identifizieren, sondern auch in Menschenmassen besonders gut herausfiltern.

Das baden-württembergische Innenministerium setzt immer mehr auf die Super-Recogniser. Entsprechend begabte Beamte sollen künftig flächendeckend an allen Polizeipräsidien im Land eingesetzt werden. Die Londoner Polizei hat bereits vor Jahren eine Einheit aufgestellt, auch die Polizei in Hessen und Bayern nutzt die Wiedererkenner.

Laut Polizeiausbildern haben nur etwa zwei Prozent der Bevölkerung die Fähigkeiten eines Super-Recognisers. Vor allem bei Polizeieinsätzen in sogenannten dynamischen Situationen – mit vielen Menschen, die bei schlechten Lichtverhältnissen in Bewegung sind – haben sich die Gesichtserkenner bewährt.

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Im Juni vergangenen Jahres war es in der Stuttgarter Innenstadt zu heftigen Ausschreitungen gekommen. Nach einer Drogenkontrolle hatten Dutzende junge Männer randaliert. Polizisten wurden bedroht, beworfen, getreten und verletzt, Schaufenster zerstört und Geschäfte geplündert. Schaulustige feuerten die Menge dabei an.

Insgesamt erwarten die Gerichte wegen der Krawalle bis zu hundert Prozesse. Im November 2020 wurden zwei junge Randalierer wegen besonders schweren Landfriedensbruchs zu zweieinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt.

Im März dieses Jahres wurden ein 17-jähriger Randalierer zu einer Jugendstrafe von vier Jahren und drei Monaten verurteilt – wegen versuchten Totschlags, gefährlicher Körperverletzung, Landfriedensbruchs und Angriffs auf einen Polizisten. Er hatte einen am Boden liegenden, bereits bewusstlosen Studenten so heftig gegen den Kopf getreten, dass dieser ein Schädel-Hirn-Trauma erlitt. Ein Mittäter wurde wegen gefährlicher Körperverletzung zu zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt.

ala/dpa
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