Landgericht Stuttgart Sporttrainer gesteht jahrelangen sexuellen Missbrauch von Schützlingen

Ein Jugendcoach steht in Stuttgart vor Gericht, er soll Minderjährige über Jahre sexuell missbraucht haben. Die Anklageschrift listet mehr als 500 Handlungen auf. Der Beschuldigte gab seine Taten nun zu.
Der angeklagte Jugendcoach wird vor dem Beginn seines Prozesses wegen schweren sexuellen Missbrauchs in den Gerichtssaal im Landgericht in Stuttgart geführt

Der angeklagte Jugendcoach wird vor dem Beginn seines Prozesses wegen schweren sexuellen Missbrauchs in den Gerichtssaal im Landgericht in Stuttgart geführt

Foto: Bernd Weißbrod / dpa

Er gewann ihr Vertrauen mit Geschenken und gemeinsamem Computerspielen: Ein Sporttrainer aus Fellbach in Baden-Württemberg soll jahrelang Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht haben. Dafür muss er sich jetzt vor dem Landgericht Stuttgart verantworten.

Der Angeklagte gestand seine Taten umfassend. »Für mein Handeln übernehme ich die volle Verantwortung«, ließ er über eine von seinem Verteidiger verlesene Erklärung mitteilen. Seine früheren Schützlinge, deren Angehörige und auch den betroffenen Verein in Fellbach bitte er um Entschuldigung.

Angeklagter trainierte 15 Jahre lang Minderjährige

Rund 15 Jahre soll der ehrenamtliche Jugendcoach Kinder und Jugendliche in drei Vereinen trainiert haben, er soll sich um sie gekümmert und Vertrauen aufgebaut haben, etwa durch gemeinsames Computerspielen. Er soll Druck auf die Kinder und Jugendlichen ausgeübt, ihnen aber auch Geschenke gemacht haben, etwa Gutscheine fürs Onlineshopping.

Die Staatsanwaltschaft dokumentiert in ihrer Anklageschrift mindestens 500 verschiedene Handlungen an meist 12- und 13-Jährigen, zum Teil auch älteren Jugendlichen, aus den Jahren 2006 bis 2021. Alle Betroffenen sind männlich, die meisten treten als Nebenkläger in dem Verfahren auf. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die tatsächliche Zahl der mutmaßlichen Übergriffe noch höher ist. Vorgeworfen werden dem Mann schwerer sexueller Missbrauch, der Besitz kinder- und jugendpornografischen Materials und der Missbrauch Schutzbefohlener. Bislang sind sieben Verhandlungstage angesetzt.

Betroffene im Verein deckten Taten auf

Die Enthüllungen hatten im Verein und in der Stadt Fellbach für Entsetzen gesorgt. »Der mutmaßliche Täter hat Leid über viele Kinder, Jugendliche und Familien gebracht, welches schwer auszuhalten ist«, teilte der Verein Mitte Dezember mit. Alle seien von dem Ausmaß der Taten schockiert. Betroffene hätten im Verein den Mut aufgebracht, die Taten aufzudecken, heißt es in dem Rundschreiben weiter.

Von dem nun angeklagten Mann habe sich der Verein bereits im Januar 2019 »aufgrund sportlicher Differenzen« getrennt. Allerdings müssten sich auch alle die Frage stellen, ob sie in der Vergangenheit nicht aufmerksamer hätten sein müssen. »Hätten wir die Erkenntnisse von heute gehabt, wäre das sicherlich der Fall gewesen«, schreibt der Verein und verspricht »eine Kultur des Hinschauens«. Im Januar hatte der Verein Jugendtrainer aus dem ganzen Handballbezirk zu einer Präventionsschulung eingeladen.

ktz/dpa