Stutthof-Prozess in Hamburg Nebenkläger sagt gegen ehemaligen KZ-Wachmann aus

Vor dem Landgericht Hamburg läuft der Prozess gegen Bruno D., der als Wachmann im KZ Stutthof für 5230 Morde mitverantwortlich gewesen sein soll. Jetzt hat ein Nebenkläger mit einer Geste überrascht.

Nebenkläger und Zeuge Moshe Peter Loth aus Florida
Christian Charisius/ DPA

Nebenkläger und Zeuge Moshe Peter Loth aus Florida


Im Hamburger Prozess gegen einen ehemaligen Wachmann im Konzentrationslager Stutthof hat ein Zeuge aus den USA den 93 Jahre alten Angeklagten umarmt. Nach seiner Aussage als Zeuge und Nebenkläger ging der 76-jährige Moshe Peter Loth auf den in einem Rollstuhl sitzenden Angeklagten zu. An die Zuschauer gewandt sagte er: "Passen Sie alle auf! Ich werde ihm vergeben." Dann umarmten sich die beiden Männer. Nach der Verhandlung sagte Loth, beide hätten geweint.

Dem Angeklagten wird Beihilfe zum Mord in 5230 Fällen vorgeworfen. Als SS-Wachmann soll er zwischen dem 9. August 1944 und dem 26. April 1945 "die heimtückische und grausame Tötung insbesondere jüdischer Häftlinge unterstützt" haben. Zu seinen Aufgaben habe es gehört, die Flucht, Revolte und Befreiung von Häftlingen zu verhindern, heißt es in der Anklage.

Der in Florida lebende Zeuge hatte in seiner Aussage berichtet, dass seine jüdische Mutter am 1. März 1943 festgenommen worden sei, als sie mit ihm im dritten Monat schwanger war. Sie habe ihn in Gefangenschaft zur Welt gebracht. 1944 seien beide ins KZ Stutthof bei Danzig gebracht worden. Bei Kriegsende habe man ihn von seiner Mutter getrennt. Nach seiner Kindheit und Jugendzeit in Polen sei er über Deutschland in die USA gekommen.

Der angeklagte SS-Wachmann verdeckt sein Gesicht
Christian Charisius/ AFP

Der angeklagte SS-Wachmann verdeckt sein Gesicht

Während des Stutthof-Prozesses ist Personen im Gerichtsgebäude eigentlich jede Kontaktaufnahme zum Angeklagten und seinen Angehörigen untersagt. "Jede Aufregung für ihn ist besonders gesundheitsgefährdend", hatte sein Verteidiger vor Prozessbeginn gesagt. "Wenn zu viele Leute im Saal sind, könnte es sein, dass ihn das negativ beeinträchtigt."

Ausgelöst wurden dieser und weitere Prozesse gegen ehemalige SS-Wachleute durch eine geänderte Rechtsauffassung. Bei deutschen Staatsanwaltschaften und Gerichten hat sich inzwischen die Ansicht durchgesetzt, dass unterstützende Tätigkeiten wie Wachdienste im juristischen Sinn als Beihilfe zum Mord zu werten sind. Früher waren meist nur Täter belangt worden, die hohe Positionen in der NS-Hierarchie innehatten oder sich direkt an Tötungen beteiligten.

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jki/dpa

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