Suche nach Madeleine Chaos in der Ferienwohnung, falsche Spur in Texas

Schon eine Stunde nach Verschwinden der kleinen Madeleine herrschte in der Ferienwohnung der McCanns ein unfassbares Chaos. Portugiesische Fahnder berichten jetzt detailliert, wie Spuren unaufhaltsam verloren gingen. Auch ein Hinweis aus Texas brachte keine neuen Erkenntnisse.


Lissabon - Nun melden sich auch die portugiesischen Ermittler im Fall Madeleine zu Wort: In der Ferienwohnung, die die britische Familie im Ferienort Praia da Luz angemietet hatte, soll absolutes Chaos geherrscht haben. Das berichten zwei Kriminalbeamte der portugiesischen Guarda Nacional Republicana. Auch britische Kollegen hatten zuvor bemängelt, der mutmaßliche Tatort hätte sofort abgesperrt werden müssen.

Die Portugiesen sagten nun der britischen Zeitung "Sun", sie seien eine Stunde, nachdem die McCanns die Polizei alarmiert hatten, im Apartment eingetroffen. "Als wir dort ankamen, herrschte Chaos. Lauter Zivilisten - die Familie, Freunde, Nachbarn, Angestellte, Leute von der Straße - alle liefen im Schlafzimmer herum, um unter dem Bett nachzuschauen. Da war der Schaden schon entstanden", sagte einer der Beamten der "Sun". Ihre Vorgesetzten hätten die Wohnung nicht ausreichend gesichert, warfen sie ihnen vor.

Das Verhalten von Madeleines Eltern schilderten sie als ungewöhnlich. "Sie waren aufgeregt, voller Panik, hatten weit aufgerissene Augen." Beide wundern sich, dass Madeleines Eltern erst 40 Minuten, nachdem sie ihr Verschwinden entdeckt hatten, die Polizei alarmierten.

Im US-Bundesstaat Texas untersucht die Polizei währenddessen einen Mädchenleichnam, der an der Küste von Galveston Bay angeschwemmt wurde, berichtet "Times Online". Ein Fischer fand die Leiche in einer blauen Plastikkiste. Die Beschreibung des Mädchens, das die Ermittler "Baby Grace" nennen, hatte die Polizei dazu veranlasst, Interpol, das FBI und die portugiesischen Ermittler zu kontaktieren, ob es sich eventuell bei dem toten Mädchen um die vermisste Madeleine handelt.

Doch schnell war klar: Es ist nicht Maddie. "Wir sind davon überzeugt, dass es sich nicht um Madeleine handelt", sagte Polizeisprecher Ray Tuttoilmondo, Sprecher der Polizei. Alle bekannten Vermisstenfälle würden derzeit geprüft.

Erste Untersuchungen haben ergeben, dass Baby Grace mindestens seit zwei Wochen tot ist - gestorben an einem Schädelbruch. Das Mädchen war zwischen zwei und drei Jahren alt, hatte lange blonde Haare und trug einen pinkfarbenen Rock, ein Shirt und weiße Turnschuhe.

Gestern wurde außerdem bekannt, dass Ermittler nahe Faro an der Algarve eine Plastiktüte voller Kleidung entdeckt haben. Auf den Textilien fanden die Experten DNA-Spuren, die zur vermissten Madeleine McCann passen könnten: Experten fanden nach Angaben des "Daily Mirror" Spuren von Haaren und Hautpartikel in der Tasche, die vor zwei Wochen nahe des Flughafens Faro entdeckt wurde. Die DNA in den Spuren stimme "teilweise" mit der DNA der verschwundenen Madeleine überein. Die Verbindung sei aber nur "mäßig". Die Eltern seien dennoch "ermutigt", dass Madeleine noch am Leben sei, sagte ein Freund der Familie.

jjc



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