Suche nach vermisstem Kind Maddies Mutter zur Verdächtigen erklärt

Im Fall Madeleine ist die Mutter der Vierjährigen offiziell zur Verdächtigen erklärt worden. Der Anwalt der Familie hofft dadurch auf mehr Schutz seiner Mandantin. Britische Zeitungen vermuten hingegen, die Eltern könnten doch etwas mit dem Verschwinden des Kindes zu tun haben.


Lissabon - KateMcCann wurde heute von der portugiesischen Polizei als Verdächtige eingestuft. Auch Ehemann Gerry werde im Laufe des Tages seinen Status als Zeuge in dem Ermittlungsverfahren verlieren, meldete die britische Tageszeitung "The Sun".

Ein Freund der McCanns sagte dem britischen TV-Sender "Sky News", die Ermittler hätten in den Vernehmungen angedeutet, dass Blutspuren von Maddie im Wagen der Familie gefunden worden seien. Die 39-Jährige hätte ihnen jedoch erklärt, sie sehe keine Möglichkeit, wie das Blut in das Auto gelangt sein sollte.

Ein Sprecher der Familie teilte mit, Kate McCann habe selbst damit gerechnet, zur Verdächtigen erklärt zu werden. Das ermögliche es den Ermittler, bestimmte Fragen zu stellen, auf die die 39-Jährige dann eine Aussage verweigern dürfe. Die Polizei hat ihrerseits in der Befragung mehr Spielraum. Wie die BBC erfuhr, haben die Ermittler Kate McCann mitgeteilt, sie hätten 22 Fragen an sie, die sie ihr heute stellen wollten. Das Ehepaar hatte bislang stets bestritten, etwas mit dem Verschwinden seiner Tochter zu tun zu haben.

Kate McCann war am Vormittag wieder in der Zentrale der Kriminalpolizei in Portimão eingetroffen, wo das Verhör von gestern fortgesetzt wurde. Anschließend soll auch Madeleines Vater, Gerry McCann, erneut vernommen werden. Das britische Ärzte-Ehepaar wird damit erstmals getrennt befragt.

Die Einstufung als "Arguido" (Verdächtiger) bedeutet jedoch nicht, dass Kate McCann festgenommen wird oder unter Anklage steht. Nach portugiesischem Recht darf sie als offiziell Verdächtige die Aussage verweigern und kann Ansprüche auf Vertretung durch ihre Anwälte geltend machen.

"Manchmal, wenn die Polizei jemanden verdächtigt, vernehmen sie ihn zunächst als Zeugen", sagte der portugiesische Anwalt Artur Rego der BBC. "Sie stufen ihn nicht als Verdächtigen ein, um so viele Informationen wie möglich von ihm zu gewinnen. Als Zeuge muss er mit der Polizei zusammenarbeiten."

Kate McCann sei "völlig geschockt und überrascht, aber sie ist ruhig und gefasst", sagte ein Freund der Familie der BBC. Er habe am Morgen mit ihr gesprochen. Sie sei vor allem darüber erschüttert, dass die Polizei nun offenbar nicht mehr nach Madeleine suche.

Nach Berichten britischer Medien gehen die Ermittler inzwischen davon aus, dass das Mädchen nicht mehr am Leben ist. In Londoner Zeitungen wurde heute erneut über mögliche Verdachtsmomente der Polizei gegen die Eltern von Madeleine spekuliert. So will die Boulevardzeitung "Sun" erfahren haben, dass Ermittler auch der Vermutung nachgehen, die beiden Ärzte hätten ihrer Tochter versehentlich eine Überdosis Beruhigungsmittel verabreicht und sie unabsichtlich getötet.

Zuvor hatten die Ermittler bekanntgegeben, dass vier Monate nach Madeleines Verschwinden aus einer portugiesischen Ferienanlage ein britisches Labor einen Teil der in Maddies Zimmer gefundenen DNA-Spuren ausgewertet und die Ergebnisse nach Portugal geschickt habe. Die Eltern sollten laut ihrer Sprecherin heute oder morgen über die Resultate informiert werden.

Medien berichteten, die Hinweise auf einen Tod Madeleines hätten sich verdichtet. Die Laboranalysen hätten diese Vermutung verstärkt. Dagegen habe die Polizei ihre ursprünglich aufgestellte Hypothese, Madeleine sei das Opfer einer Entführung geworden, mittlerweile praktisch aufgegeben.

Madeleine war am 3. Mai aus einem Ferienappartement an der Algarve-Küste in Südportugal verschwunden. Ihre Eltern hatten mit einer beispiellosen öffentlichen Suchaktion auf den Fall aufmerksam gemacht.

jdl/ffr/AP/AFP/dpa

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